Die Integrationsvorlehre (INVOL) bietet Zugewanderten eine praxisorientierte Einstiegsmöglichkeit in die Schweizer Berufsbildung. Seit ihrem Bestehen haben sie im Kanton Zürich mehr als 1'000 meist junge Erwachsene begonnen und sich so auf eine Berufslehre vorbereitet.
Die vor acht Jahren als Pilot lancierte Integrationsvorlehre (INVOL) kann als Erfolgsmodell bezeichnet werden. Seither haben sich im Kanton Zürich mehr als 1'000 junge Erwachsene – Flüchtlinge und Personen aus EU-/EFTA- und Drittstaaten – in zwölf Berufen auf eine Ausbildung vorbereitet.
Drei Firmen – die AMAG, login Berufsbildung und mobilog – beteiligen sich seit mehreren Jahren an der INVOL. Im Blogbeitrag berichten sie über ihre Erfahrungen und über ihre Beweggründe, mitzumachen. Wer als Betrieb neu eine INVOL-Stelle anbieten will, kann sie beim Mittelschul- und Berufsbildungsamt MBA des Kantons Zürich anmelden. Den schulischen Teil der INVOL besuchen die Lernenden an der EB Zürich.
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Bild oben: Mustafa hat nach seiner erfolgreichen Integrationsvorlehre bei der AMAG im August seine Lehre als Automobilassistent EBA begonnen.

AMAG: INVOL ist wirklich eine Erfolgsgeschichte geworden
von Gabi Pratter; sie arbeitet seit zweieinhalb Jahren als HR Beraterin Berufsbildung bei der AMAG
«Wir haben bei der AMAG neben anspruchsvolleren Tätigkeiten auch viele praktische Arbeiten in den Bereichen Lackiererei, Carrosserie und Werkstatt. Beim Start des INVOL-Projekts 2018 wagten wir den Versuch, ob diese Ausbildungsform auch für unsere Berufe passend ist. Nach der ersten Durchführung gab es mehrheitlich positive Rückmeldungen, daher machen wir schon seit vielen Jahren mit. Uns ist wichtig, jedes Jahr INVOL-Lernende auszubilden, die, je nach Eignung und Verhalten, anschliessend eine Lehre als Automobilassistent/-in EBA oder Lackierassistent/-in EBA machen können. Generell haben wir genügend Interessierte für unsere Lehrstellen und sind nicht – wie vielleicht andere Branchen – darauf angewiesen, mittels einer INVOL Nachwuchs zu finden.
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«Wir haben INVOL-Lernende in diversen Betrieben und es ist eine Erfolgsgeschichte.»
Über das MBA oder die Berufsberatung können sich Interessierte über die INVOL informieren. So schicken mir die biz Dossiers von möglichen Bewerbern. Mittlerweile hat es sich aber auch herumgesprochen, dass wir die INVOL anbieten, und Interessierte wenden sich direkt an mich. Anfragen für eine INVOL erhalten wir auch über ROBIJ, einem Verein der Rotarier. Seine Mitglieder besuchen immer wieder unsere Betriebe in Wettswil und in Dübendorf und sehen beim Betriebsrundgang, wie die Tagesstruktur und die Aufgaben der INVOL-Lernenden aussehen. Dabei haben sie die Möglichkeit, ihnen Fragen zur Ausbildung zu stellen. Die Rotarier sehen so, wie eine INVOL abläuft, und können beim MBA einen INVOL-Platz anmelden, wenn sie interessiert sind.
Unsere INVOL-Lernenden kommen hauptsächlich aus Afghanistan, aber auch aus Syrien und Eritrea. Sie sind in aller Regel sehr motiviert, denn ihnen ist die Wichtigkeit einer Ausbildung bewusst! Sie sind teils ehrgeiziger als Schweizer Lernende, weil sie genau wissen, dass ihnen die INVOL eine tolle Möglichkeit bietet, ins Berufsleben einzusteigen. Trotzdem mussten wir aber auch schon Lehrverträge auflösen; ein Grund können die Finanzen sein, da Lernende nicht selten Geld für ihre Familien in die Heimat senden müssen und der Lohn dazu nicht ausreicht.
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«Die grosse Mehrheit der INVOL-Lernenden realisiert, welche Möglichkeiten ihnen die INVOL bietet.»

Deutschkurse am Samstag
Erfahrungsgemäss stellen die Deutschkenntnisse eine Herausforderung dar. Beim Bewerbungsgespräch frage ich angehende INVOL-Lernende daher, ob sie auch bereit sind, noch zusätzlich am Samstag einen Deutschkurs zu besuchen. Da bin ich nicht selten hartnäckig. Sie nehmen das Angebot aber gerne an; im Verlauf des Jahres merken sie dann, dass sie bei der Sprache Fortschritte machen. Und sie wissen auch, dass sie für ein EBA in Deutsch ein B1-, für ein EFZ ein B2-Niveau erreichen müssen.
Die INVOL-Lernenden bringen aus ihrer Heimat Fähigkeiten und Fingerfertigkeiten mit, die sie bei ihrer Arbeit – zum Beispiel beim Lackieren – sehr gut einsetzen können; fachlich ist das sehr hilfreich. Auch die Vielfalt ihrer kulturellen Geschichten ist eine Bereicherung für das ganze Team, wenn sie sich mit ihren Arbeitskollegen austauschen. Diese merken dann auch, wie schön sie es hier eigentlich haben: Sie mussten nicht über Tausende von Kilometern in die Schweiz flüchten, um eine Ausbildung bei der AMAG beginnen zu können.»

INVOL bei login: Chancen schaffen, Talente fördern
von Stefanie Wegmannn, Ausbildungsleiterin bei login Berufsbildung AG
«Die Integrationsvorlehre (INVOL) entspricht unserem Verständnis von Chancengleichheit und nachhaltiger Berufsbildung. Dabei spielt auch der soziale Aspekt eine zentrale Rolle: Die INVOL unterstützt die gesellschaftliche und berufliche Integration von Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung und ermöglicht ihnen, erste wertvolle Erfahrungen in der Schweizer Arbeitswelt zu sammeln.
Gleichzeitig leisten wir damit einen Beitrag zur Nachwuchsförderung und eröffnen motivierten jungen Menschen berufliche Perspektiven. In gewissen handwerklichen und technischen Berufen, beispielsweise im Gleisbau oder bei den Netzelektrikern und -elektrikerinnen, ist die Rekrutierung besonders anspruchsvoll. Daher ist es wichtig, unterschiedliche Zugangswege zur Berufsbildung anzubieten und motivierte Talente frühzeitig zu fördern.
Seit 2019 haben wir rund 50 Jugendlichen eine INVOL angeboten, etwa ein Drittel von ihnen hat anschliessend eine reguläre Lehre bei uns begonnen. Die Teilnehmenden stammen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und bringen vielfältige sprachliche und kulturelle Hintergründe mit. Im Zentrum steht dabei die schrittweise Heranführung an die Arbeitswelt: Die Jugendlichen können betriebliche Abläufe kennenlernen, erste berufliche Erfahrungen sammeln und sich Schritt für Schritt in einem beruflichen Umfeld zurechtfinden.
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«Es ist wichtig, unterschiedliche Zugangswege zur Berufsbildung anzubieten und motivierte Talente frühzeitig zu fördern.»

Der Erfolg der INVOL sollte jedoch nicht ausschliesslich daran gemessen werden, wie viele Teilnehmende direkt in eine reguläre Lehre übernommen werden. Ebenso wichtig sind die erfolgreiche Integration in den Berufsalltag, die Weiterentwicklung der Sprachkompetenzen sowie die gezielte Vorbereitung auf eine spätere EBA- oder EFZ-Lehre.
Wir instruieren die INVOL-Lernenden gemeinsam mit den übrigen Lernenden. In der Praxis begleiten wir sie bei einfacheren und wiederkehrenden Arbeiten jedoch intensiver, üben Arbeitsabläufe noch gezielter und festigen den Fachwortschatz. Ergänzend besuchen die Lernenden Deutschkurse. So entwickeln sie dank ihrer Motivation und Eigeninitiative während der INVOL die sprachlichen Kompetenzen, die für einen erfolgreichen Einstieg in die berufliche Grundbildung erforderlich sind.
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«Die INVOL-Lernenden bereichern unsere Teams und überzeugen durch ihr Engagement, ihre Neugier und ihr Interesse.»
Unsere Erfahrungen mit den INVOL-Lernenden sind rundum positiv. Die Lernenden bereichern unsere Teams und überzeugen durch ihr Engagement, ihre Neugier und ihr Interesse. Werden sie nach der INVOL in eine berufliche Grundbildung übernommen, können die Berufsbildenden auf bereits erworbene fachliche und sprachliche Kompetenzen aufbauen.
Die Zusammenarbeit mit der EB Zürich erleben wir als offen, konstruktiv und wertschätzend. Ein regelmässiger Austausch und ein transparenter Informationsfluss ermöglichen eine enge und vertrauensvolle Begleitung aller Beteiligten. Auch in anspruchsvollen Situationen können wir auf die EB Zürich zählen und erleben sie als verlässliche Partnerin. Die gemeinsame Unterstützung der Jugendlichen und ihr erfolgreicher Einstieg in die Berufsbildung stehen dabei stets im Mittelpunkt.»

mobilog: Mega stolz auf den Abschluss
von Tolga Birgin, mobilog AG
«Mit der INVOL möchte die mobilog einen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Integration von jungen Erwachsenen aus dem Flüchtlingswesen oder aus EU-/EFTA- und Drittstaaten leisten. So ermöglichen wir ihnen, in die Schweizer Berufswelt einzusteigen.
Jedes Jahr bieten wir zwei Lernenden eine INVOL-Stelle, daneben bilden wir weitere 21 Lernende als Logistiker/-innen EBA und EFZ aus. Nach der INVOL übernehmen wir die Lernenden eigentlich immer, bisher nur mit einer Ausnahme. Je nach Deutschkenntnissen und Leistung machen sie dann ein EBA oder ein EFZ.
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«Bei den Sprachkenntnissen kommt es während der INVOL oft zu einer grossen Steigerung.»
Die INVOL-Lernenden werden von unserem HR ausgewählt, und sie müssen im Deutsch schriftlich und mündlich mindestens ein A2 mitbringen. Die meisten kommen aus Afghanistan, aber auch aus Syrien, Eritrea oder dem Sudan. Letztes Jahr hatten wir einen, der sprach quasi perfekt Hochdeutsch. Bei Sprachproblemen kontaktiere ich unverzüglich die Sozialberatung: Zusammen legen wir dann Massnahmen fest, wie zum Beispiel den Besuch eines Deutschkurses am Samstag und als Ergänzung zum Unterricht an der Schule. Damit verfolgen wir das Ziel, dass INVOL-Lernende besser lesen und schreiben können. So machen wir, in Absprache mit der Sozialberatung, die Ausbildung 'sicher' und erreichen, dass Lernende die Anforderungen erfüllen und ihre Lehre erfolgreich abschliessen.
Die Lernenden der INVOL sind sehr motiviert und interessiert – oft mehr als manch andere Lernenden. Sie strengen sich an, weil sie wissen, dass die INVOL für sie eine grosse Chance darstellt.
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«Das war für sie wahrscheinlich der schönste Tag in ihrem Leben und sie war sehr stolz, dass sie über ihre Ausbildung erzählen durfte.»

Wie stolz diese Lernenden auf eine abgeschlossene INVOL oder Lehre sind, zeigte sich kürzlich an einer Veranstaltung zur beruflichen Integration. Eine 30-jährige zweifache Mutter erzählte, dass der erfolgreiche Lehrabschluss zu den schönsten und bedeutendsten Erlebnissen ihres Lebens gehörte. Und ein anderer Absolvent, der als Jugendlicher ohne Familie aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet war, 'putzte' sich für diesen Anlass so heraus, als würde er heiraten … er war mega stolz auf seinen Abschluss!»
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Ab dem Schuljahr 2028/2029 sollen die bestehenden Angebote Vorlehre und Integrationsvorlehre bezüglich Aufbau und Anforderungen vereinheitlicht werden. Allen Lernenden im selben Berufsbild werden dadurch vergleichbare schulische Anforderungen und Lernziele geschaffen, schreibt der Zürcher Kantonsrat in einer Medienmitteilung vom 9. Juli 2026.
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