Berufs- und Praxisbildner/-innen begleiten junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben. Dabei stellen sich ihnen unterschiedliche Herausforderungen. Welche Themen beschäftigen Lehrbetriebe heute und wie gehen die massgeschneiderten Firmenkurse für Berufs- und Praxisbildnerinnen der EB Zürich darauf ein? Irini Alex, Leiterin Firmenkurse, und Anna Siegrist, Kursleiterin Berufsbildung, erzählen aus dem Kursalltag.
Für Firmen, Organisationen und Verwaltungen bietet die EB Zürich massgeschneiderte Kurse an. Was zeichnet diese Kurse aus?
Irini: Der Auftraggeber kauft keinen Kurs «von der Stange». Stattdessen entwickeln wir ihn gemeinsam und passen ihn an die Bedürfnisse des Betriebs an. Der Auftraggeber bringt eigene Themen und Schwerpunkte ein, wir liefern Inhalte, Drehbücher und Ideen. Der Einführungs- und Refresherkurs zum Beispiel umfasst vier Bereiche: Das Unternehmen als Lehrbetrieb, die Lernenden, das Lernen und die Beurteilung. Meist unterrichtet der Betrieb im ersten und vierten Block selbst, wir übernehmen den mittleren Teil. Es ist also wirklich eine Zusammenarbeit.
Warum entscheiden sich Firmen für einen massgeschneiderten Kurs?
Irini: Ein solcher Kurs bringt alle auf den gleichen Wissensstand. Neue Praxisbildner finden schneller in ihre Rolle, erfahrene Berufsbildnerinnen frischen ihr Wissen auf und vertiefen es. Das stärkt die Ausbildungsqualität im Betrieb und das Team.
Anna: Es ist ein grosser Vorteil, dass die Teilnehmenden im gleichen System arbeiten und die gleichen Rahmenbedingungen kennen. Sie haben einen gemeinsamen Nenner, können schneller an konkreten Fragen arbeiten und profitieren von einem kompakten, praxisnahen Kurs.
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«Firmenkurse sind oft persönlicher als reguläre Berufsbildnerkurse – allein durch die Gemeinschaft, weil alle aus derselben Firma kommen.»
Wie geht Ihr im Kurs damit um, dass einige Teilnehmende noch keine Erfahrung im Ausbilden haben, andere aber schon viele Jahre dabei sind?
Anna: Gerade diese Mischung ist eine Stärke dieser Kurse: Wir nutzen gezielt die Ressourcen der Teilnehmenden. Erfahrene Berufsbildner, die zur Auffrischung kommen, unterstützen die anderen, etwa in Gruppenarbeiten. Die Jüngeren erzählen, was Jugendliche heute beschäftigt; ihr eigener Lehrabschluss liegt oft noch nicht lange zurück, deshalb können sie aus erster Hand erzählen, wie sie die Ausbildung erlebt haben. So lernen die Teilnehmenden voneinander.
Welche Themen beschäftigen die Lehrbetriebe aktuell besonders?
Anna: Der Umgang mit Neurodiversität ist derzeit ein grosses Thema. Im Kurs tauchen zudem oft Fragen auf, wie man schwierige Gespräche führt oder mit Extremsituationen umgeht. Zum Beispiel: Was tun, wenn ein Lernender Suizidgedanken äussert? Solche Fragen können wir aufgreifen und sie in den späteren Kursblöcken vertiefen. Bei der Beurteilung gibt es manchmal Fragen zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
Wo stossen Berufsbildner/-innen im Ausbildungsalltag an Grenzen?
Irini: Viele kämpfen mit Zeitmanagement, dem Workload und der Verantwortung, die sie tragen. Sie fragen oft: Wie soll ich das neben meiner eigentlichen Arbeit schaffen? Ein Beispiel sind die Praxisaufträge: Wie intensiv sollen sie reflektiert werden? Das wäre zwar sinnvoll, aber oft fehlt im Alltag die Zeit.
Ist die Rolle der Berufsbildner anspruchsvoller geworden? Gibt es mehr Weiterbildungsbedarf?
Irini: Die Nachfrage nach Weiterbildung ist gestiegen, weil die Bedeutung der Rolle stärker anerkannt wird. Heute sind sich die Betriebe bewusster, dass eine erfolgreiche Ausbildung stark von den Berufsbildnern abhängt. Wer mehr weiss, kann Lernende sicherer begleiten. Weiterbildung ist auch eine Form der Wertschätzung – gerade dann, wenn Firmen die Funktion nicht zusätzlich entlöhnen oder dafür keine Stellenprozente anrechnen.
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«Manche Firmen haben kaum Fluktuation unter den Berufsbildnern, weil sie sie gut betreuen und ihnen Weiterbildung ermöglichen.»
Was wünscht ihr Euch im Hinblick auf die Weiterbildung von Berufsbildner/-innen?
Irini: Unternehmen sollten laufend in ihre Berufsbildung investieren. Ein Kurs allein reicht nicht. Wichtig ist, bei den Mitarbeitenden nachzufragen: Was beschäftigt euch? Welche Themen sind relevant? Wo müssen wir noch einmal ansetzen?
Welche langfristige Wirkung kann ein Firmenkurs entfalten?
Irini: Wir vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch eine Haltung: Beziehungsarbeit und ein ressourcenorientierter Blick ziehen sich durch alle Themen. Es geht darum, die Stärken der Lernenden zu erkennen, anstatt alle über einen Kamm zu scheren. Wenn diese Haltung im Alltag ankommt, wirkt der Kurs nachhaltig.
Anna: Das erleben wir immer wieder. Manchmal melden sich ehemalige Teilnehmende Jahre später und sagen: «Ich weiss noch genau, was ich aus dem Kurs mitgenommen habe.» Oder sie erinnern sich an eine Übung, die sie heute noch einsetzen. Das sind für mich die schönsten Rückmeldungen, weil sie zeigen, dass etwas bleibt.
Gibt es eine Situation, die dir als Kursleiterin besonders in Erinnerung geblieben ist?
Anna: Einmal machte ich im Kurs eine Gedankenreise: Die Teilnehmenden sollten sich eine Person vorstellen, die sie liebevoll, aber bestimmt und ressourcenorientiert geführt hat. Eine Person nannte eine Berufsbildnerin als Vorbild, die auch bei mir im Kurs war. Das war ein sehr schöner Moment, weil er zeigte, wie unsere Arbeit weiterwirkt.
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