Jugendliche, die neu in der Schweiz leben, können an einer Zürcher Mittelschule hospitieren. Die kantonale Fachstelle für Hospitationen koordiniert den Aufnahmeprozess, für den die EB Zürich sogenannte Lernstandserhebungen durchführt.
Für Jugendliche, die seit weniger als zwei Schuljahren neu in der Schweiz leben und nicht Deutsch als Erstsprache haben, besteht die Möglichkeit einer Hospitation an einer Zürcher Mittelschule. Die Zentrale Anlaufstelle koordiniert den Aufnahmeprozess, für den die EB Zürich sogenannte Lernstandserhebungen durchführt.
Zu den Voraussetzungen gehört u.a. eine gymnasiale Vorbildung im Herkunftsland. Die Zulassung koordiniert die Zentrale Anlaufstelle, die 2023 von der Schulleiterkonferenz Mittelschulen (SLK) ins Leben gerufen wurde. Ihr Ursprung geht auf Frühjahr 2022 zurück, als in Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine viele Jugendliche von dort in die Schweiz geflüchtet waren und schnell eine entsprechende schulische Lösung benötigten.
Während sich Jugendliche und Eltern anfangs direkt an die Schulen wandten, die die Voraussetzungen für eine Aufnahme an die Mittelschule prüfen mussten, fungiert neu die Zentrale Anlaufstelle als Ansprechperson für Erziehungsberechtigte und entlastet so die Schulen. Unter der Leitung von Nicole Sotzek triagiert sie eingehende Anfragen und verweist an die EB Zürich für eine sogenannte Lernstandserhebung.
Tests in Deutsch, Englisch und Mathematik
Dort ist Noëmi Roos für die Lernstandserhebungen verantwortlich. Sie und ihr Team verschiedener Lehrpersonen schätzen die Kenntnisse in Deutsch, Englisch und Mathematik ein. Die Jugendlichen seien aus verständlichen Gründen meist sehr nervös, erzählt sie im Gespräch, geht es doch um ihre weitere schulische Zukunft. Oft begleiten daher die Eltern ihre Kinder zur Lernstandserhebung.
Bei Mathematik dauert der schriftliche Test ca. 90 Minuten und umfasst die 6. bis zur 11. Klasse. Dabei müssen die Kandidierenden das Niveau erreichen, das sie an der Schule ihres Heimatlandes abgeschlossen haben. Da sich die Bildungssysteme bzw. das -niveau der verschiedenen Länder nicht vergleichen lassen, kann auf diese Weise der Kenntnisstand eingeschätzt werden, in den die Jugendlichen einsteigen können.
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«Man kann eine Sprache lange und viel lernen, aber dann flüssig zu reden, ist eine zusätzliche Herausforderung.»
Für Englisch absolvieren die Jugendlichen einen digitalen, internen Test auf Niveau B1. Mit Multiple Choice und Lückentext wird das Hörverstehen eingestuft. Der Test ist sehr anspruchsvoll und somit sehr aussagekräftig und deckt sowohl die schriftlichen wie mündlichen Skills ab, ergänzt Frau Roos.
Im Gegensatz dazu wird Deutsch während gut einer Stunde auch mündlich evaluiert; gefordert wird das Niveau B1 (gemäss GER, Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen). Diese Tests führt die Verantwortliche der Lernstandserhebungen selbst durch und achtet dabei besonders auf gutes Hörverständnis, spontanes Reagieren und flüssiges Reden. Deutsch ist die Unterrichtssprache an der Mittelschule, da sei es wichtig, dass die Jugendlichen in dieser Sprache navigieren und Deutsch in ihrem Alltag am Gymnasium einsetzen können.
Während und nach einer Lernstandserhebung ist den meisten Jugendlichen schnell klar, wo sie bei Deutsch und den anderen Fächern stehen und ob ihre Kenntnisse für eine Hospitation ausreichen. Um eine Hospitation erfolgreich zu absolvieren, sind Sprachkenntnisse sehr wichtig, gleichzeitig müssen die Schülerinnen und Schüler in allen Fächern gut genug sein, betont Frau Roos.
Effizientes Instrument für Schulen
Nach der Korrektur stellt sie einen Bericht mit den Ergebnissen zusammen und leitet diesen an Frau Sotzek weiter. Diese informiert die Jugendlichen über die Ergebnisse. Eine Hospitation dauert in der Regel ein Jahr, dann entscheidet die Promotion, ob sie weiterhin dort bleiben können oder die Schule verlassen müssen.
Dass Lernstandserhebungen ein ideales Instrument zur Abklärung der Kenntnisse in Deutsch, Englisch und Mathematik darstellen, zeigt die bisherige Praxis: Konnten früher Mittelschulen nur aufgrund der vorgelegten Zeugnisse entscheiden, ob sie Jugendliche für eine Hospitation aufnehmen sollten oder nicht, steht ihnen mit der Lernstandserhebung ein verlässliches und aussagekräftiges Tool zur Verfügung. Dieses entlastet die Schulen zum einen; zum anderen ‚vorsortiert‘ es Kandidatinnen und Kandidaten und sorgt so dafür, dass mehr Jugendliche an den Mittelschulen bleiben und weniger Abbrüche zu verzeichnen sind.
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