Als Ausbildungsverantwortliche in der Radiologie begleitet Maud de Graaf Studierende auf ihrem Weg in den Beruf. Die Weiterbildung zum eidgenössischen Fachausweis Ausbilderin an der EB Zürich hilft ihr, Lernprozesse gezielter zu gestalten.
«Meine berufliche Laufbahn begann im Sozialbereich und führte mich über die Metallbearbeitung bis in die orthopädische Technik. Dieser Bereich gefiel mir sehr, doch ich fand keine Lehrstelle. So arbeitete ich mehrere Jahre als Polymechanikerin, ohne mich erfüllt zu fühlen. Eine Laufbahnberaterin brachte mich schliesslich auf die Idee, Radiologiefachfrau zu werden. Dieser Beruf vereint alles, was mir wichtig ist: Technik, Medizin und den Kontakt mit Menschen. In der Radiologie habe ich meine Berufung gefunden.
Radiologie vermitteln – Schritt für Schritt
Seit 2019 verantworte ich die Ausbildung in der Radiologie an der Klinik Hirslanden. Ich bin die zentrale Ansprechperson für die Berufsbildner/-innen und organisiere die Praxiseinsätze unserer Studierenden. Diese haben bereits eine Grundbildung abgeschlossen und besuchen neben ihrer Arbeit die Höhere Fachschule für Radiologie.Die Ausbildung der Studierenden beginnt bei uns mit dem Röntgen. Hier lernen sie, Bilder korrekt aufzunehmen und Auffälligkeiten wie Knochenbrüche, verengte Gelenkspalten oder Tumoren zu erkennen. Im zweiten Jahr arbeiten sie in der Nuklearmedizin mit komplexeren bildgebenden Verfahren. Danach folgen Einsätze in der Radiotherapie, wo die Studierenden hochenergetische Strahlen zur Behandlung von Krankheiten einsetzen. Im dritten Jahr absolvieren sie eine längere Praxisphase.

Methodisch-didaktisches Wissen in der Praxis
Der eidgenössische Fachausweis als Ausbilderin war Voraussetzung für meine Stelle. Erst während der Weiterbildung an der EB Zürich realisierte ich, wie wertvoll das dort erworbene Wissen für meinen Berufsalltag ist. Im ‹Vernetzungsmodul› etwa beschäftigten wir uns mit dem Lerntransfer. Mit einer Projektarbeit gestalteten und realisierten wir einen Lernprozess in unserem Fachbereich.
Ich wählte den ‹Nationalen Zukunftstag› als Thema: Jeweils am zweiten Donnerstag im November können Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klasse eine Bezugsperson bei der Arbeit begleiten. Für den Einblick in die Radiologie entwickelte ich ein Konzept, das wir in den nächsten Jahren wiederverwenden können.
Quote
«Früher handelte ich oft intuitiv. Heute gestalte ich Ausbildungsschritte strukturierter und nachvollziehbarer.»
Zukunftstag systematisch planen und umsetzen
Das ‹Wasserfallmodell›, eine Projektmanagementmethode mit klar definierten Phasen, half mir, die Planung systematisch anzugehen. Ich beauftragte einen Studenten im dritten Ausbildungsjahr, die Aufgaben an die Studierenden im zweiten Jahr zu verteilen – so fand der Lernprozess auf mehreren Ebenen statt. Die Studierenden vom zweiten Jahr führten die Schülerinnen und Schüler durch den Tag und erklärten ihnen unseren Beruf adressatengerecht. Die Kinder durften zum Beispiel einen Teddybären röntgen, der eine Schere und einen Lippenstift verschluckt hatte.
Eine klare Kommunikation ist der Schlüssel
Bei der Planung berücksichtigte ich mögliche Probleme: Was tun, wenn ein Mitarbeiter oder ein Gerät ausfällt? Trotzdem überraschte uns die Realität: Statt der üblichen acht bis neun Kinder kamen dieses Jahr 19! Spontan teilten wir sie in zwei Gruppen. Aus dieser Erfahrung zog ich Konsequenzen und passte das Konzept an, so dass es nun fixe und flexible Elemente gibt.
Mein Fazit als Ausbilderin? Ich muss bewusster kommunizieren – klare Aufträge erteilen und auch das benennen, was für mich selbstverständlich erscheint. Das ist entscheidend, wenn ich Aufgaben delegiere – und auch für einen erfolgreichen Lerntransfer.»
aufgezeichnet von Nicole Demarmels
