Seit dem Schuljahr 2025/26 gibt es an jeder Mittelschule im Kanton Luzern zwei bis drei Moodle-Coaches. Adrian Häfliger, kantonaler Moodle-Koordinator, spricht im Interview über Berührungsängste im Schulalltag und erklärt, warum der «Coach-the-Coaches»-Ansatz entscheidend für den nachhaltigen Einsatz von Moodle ist.
Herr Häfliger, was sind Ihre Aufgaben als Moodle-Koordinator?
Zusammen mit einer Kollegin betreue ich rund 40 Lehrpersonen, die als Moodle-Coaches an den Mittelschulen tätig sind. Wir organisieren Weiterbildungen, damit die Coaches ihre Kollegen/-innen schnell und effektiv im Umgang mit Moodle schulen können. Ausserdem vertrete ich die Interessen der Gymnasien im kantonalen Technikgremium, das die Plattform betreut und weiterentwickelt.
Was motiviert Sie, diese Aufgabe zu übernehmen?
Ich arbeite schon lange mit Moodle und schätze das System – auch, weil es eine Open-Source-Software ist. Das fördert die digitale Souveränität und mindert die Abhängigkeit von grossen Tech-Konzernen. Doch Moodle ist an den Schulen noch kein Selbstläufer, viele Lehrpersonen haben Berührungsängste. Das «Coach-the-Coaches»-Programm soll diese Hemmungen abbauen. Selbstorganisiertes Lernen wird immer wichtiger – besonders im Hinblick auf die WEGM-Maturitätsreform (Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität). Dafür brauchen wir digitale Werkzeuge, die wir klug organisieren müssen.
Quote
«Als Lehrperson vermitteln wir unseren Schülerinnen und Schülern eine Haltung gegenüber digitalen Tools.»
Welche Herausforderungen sehen Sie?
Viele Lehrpersonen befassen sich zunächst ungern intensiver mit Moodle. Sie erwarten, dass eine Plattform reibungslos funktioniert – eine Haltung, die stark von der Konsumentenrolle geprägt ist. Doch diese Einstellung führt zu Abhängigkeiten. Wer Moodle besser versteht, ist selbstwirksamer und gewinnt mehr Handlungsspielraum. Letztlich geht es weniger um Technik als um die Haltung, die wir Lehrpersonen gegenüber digitalen Tools einnehmen. Diese prägt auch, wie unsere Schülerinnen und Schüler digitale Werkzeuge wahrnehmen und nutzen.
Was schätzen Sie am «Coach-the-Coaches»-Ansatz besonders?
Er ist der effektivste Weg, Moodle in den Schulalltag zu integrieren. Es braucht eine enge Betreuung – nicht unbedingt zeitaufwendig, aber niederschwellig und gut erreichbar. Lehrpersonen müssen bei Problemen schnell und unkompliziert Unterstützung erhalten, besonders am Anfang. So vermeiden wir Frustration. Ein weiterer Vorteil: Die Moodle-Coaches nehmen an zwei Weiterbildungen teil und werden dazwischen online begleitet. Dieses Modell können sie später selbst übernehmen oder adaptieren.
Werden Sie für Ihre Aufgabe entschädigt?
Für diese zusätzliche Funktion erhalten wir eine Entlastung von einer halben Lektion pro Woche. Das gilt auch für die Moodle-Coaches an den Schulen.
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Adrian Häfliger unterrichtet an der Kantonsschule Alpenquai in Luzern. Seit dem Schuljahr 2025/26 koordiniert er den Einsatz der Moodle-Coaches an den Mittelschulen im Kanton.
