Am 18. und 19. September 2026 veranstaltete die EB Zürich die zweite Ausgabe des «eduPromptathon». Bildungsprofis aus verschiedenen Branchen suchten Antworten auf eine zentrale Frage: Wie lässt sich Künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag sinnvoll und gewinnbringend einsetzen?
Draussen strahlte die Herbstsonne und drinnen, im Bildungszentrum für Erwachsene (BiZE), wurde konzentriert gearbeitet, diskutiert, getüftelt und verworfen. Mehr als 20 Fachleute aus der Berufs- und Erwachsenenbildung nahmen am diesjährigen «eduPromptathon» teil. Das Format folgt dem Prinzip eines Hackathons: In Teams entwickeln die Teilnehmenden während eineinhalb Tagen kreative Lösungen für konkrete Herausforderungen aus dem Bildungsalltag. Dabei geht es nicht nur darum, über KI zu sprechen, sondern sie direkt einzusetzen.
KI ausprobieren, statt darüber zu reden
Für inspirierende Impulse sorgten Kurzvorträge: zu gutem Prompting, KI-Tools, Vibe Coding, zur Kombination von Didaktik und KI sowie zu Ethik und Datenschutz in der Bildung. Auch kritische Fragen rund um KI-Bias, Desinformation oder Urheberrecht kamen zur Sprache.
Das Digital-Learning-Team der EB Zürich hatte den «eduPrompathon» 2025 als Innovationsprojekt ins Leben gerufen und organisierte ihn – aufgrund der positiven Resonanz – zum zweiten Mal. Bereichsleiter Roy Franke beobachtet im Vergleich zur ersten Durchführung eine klare Entwicklung: «Die Vorkenntnisse der Teilnehmenden sind zwar weiterhin unterschiedlich, aber inzwischen bringt jeder Erfahrung mit KI-Tools und Prompting mit.»
Neben vorher festgelegten «Challenges» konnten die Teilnehmenden auch eigene Themen aus ihrem Arbeitsalltag einbringen. Das wurde sehr geschätzt und bot dem Digital-Learning-Team gleichzeitig die Chance, aktuelle Praxisfragen aufzugreifen. Die Vielfalt der Themen zeigt, wie breit sich KI in der Bildung einsetzen lässt.
Fünf Challenges, fünf Lösungsansätze
- Inklusion mit KI: Digitale Lernangebote sind aus pädagogischer Sicht oft nicht für alle Lernenden geeignet. Gruppe 1 konstruierte deshalb eine App, die barrierefreie Lerninhalte individuell bereitstellt und eine chancengleiche Teilhabe ermöglicht.
- Modernes WLAN-Onboarding: Die PDF-Anleitung für das WLAN-Onboarding von Schülerinnen und Schüler im zehnten Schuljahr ist nicht zeitgemäss. Gruppe 2 entwarf mit «Helpy» einen KI-Agenten, der die Jugendlichen Schritt für Schritt durch den Prozess begleitet.
- Digitaler Lernbegleiter: Informationen, Lernfortschritte und Leistungsdaten sollen nutzbar gemacht werden. Mit dem «EHL-Compass» konzipierte Gruppe 3 einen digitalen Lernraum für die Studierenden der EHL Hotelfachschule Passugg. Dieser bündelt Curriculum, Lernziele, Selbsteinschätzung, KI-gestütztes Feedback und das persönliche Lernportfolio an einem Ort.
- Diplomarbeit selbst gedacht: In Zeiten von KI kommen das kritische Denken und Reflektieren oft zu kurz. Gruppe 4 erstellte deshalb mit Hilfe von KI ein virtuelles Diplomarbeits-Notebook. Der KI-Coach stellt Fragen, gibt Hinweise und regt zum Hinterfragen an.
- Personalisierung des Lernens: Gerade in Pflichtkursen fehlt oft die Motivation der Teilnehmenden. Gruppe 5 entwickelte eine KI-gestützte Web-App, welche die individuellen Bedürfnisse der Lernenden erfasst und den Nutzen des Lerninhalts für die Praxis sichtbar macht.
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Ein Siegerprojekt und viele Erkenntnisse
Nach eineinhalb intensiven Tagen präsentierten die Teams ihre Ergebnisse. Aus ersten Ideen waren konkrete Prototypen geworden. Beim Live-Voting erhielt der «EHL Compass» die meisten Stimmen. Thomas Bissegger, Programmleiter und Dozent an der EHL Hotelfachschule Passugg, möchte den Ansatz weiterverfolgen: «Der Prototyp zeigt das Potenzial unserer Idee. Mein Ziel ist ein ganzheitliches Tool, das Studierenden und Dozierenden einen echten Mehrwert bietet und Lehr- sowie Lernprozesse nachhaltig unterstützt.»
Eine zentrale Erkenntnis der Siegergruppe: KI sparte viel Zeit bei der Umsetzung. Dadurch blieben mehr Ressourcen für die konzeptionelle Arbeit und den Austausch von Wissen und Erfahrungen. Dies erwies sich als besonders wertvoll. Denn bei aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten, die KI schafft, wurde während der eineinhalb Tage deutlich: Ohne den Menschen geht es nicht.
Teilnehmerstimmen:
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«Der Anlass hat mir aufgezeigt, wie viel man mit KI jetzt schon konkret umsetzen kann. Besonders gefallen hat mir am Format, dass wir viel Freiheit hatten und trotzdem nicht allein gelassen wurden. Es gab klare Rahmenbedingungen sowie fachliche Inputs und Hilfestellungen, die wir nutzen konnten, aber nicht mussten.»
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«Ich wollte mich mit anderen Fachpersonen aus der Erwachsenenbildung austauschen und hören, welche Erfahrungen sie mit dem Einsatz von KI im Unterricht gemacht haben. Ich war zum Teil überrascht, dass ganze Interfaces mit KI erstellt werden können. Trotzdem bleibe ich skeptisch: Zwar löst KI einfache Aufgaben, doch ob sie sich in die Lebenswelt der Teilnehmenden integrieren lässt, bleibt für mich fraglich.»
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«Was ich ins Büro mitnehme: KI hilft mir, bei der Umsetzung Zeit zu sparen. Dadurch habe ich mehr Zeit für den Austausch mit Kolleg:innen und Klient:innen.»
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