Bei ihrem Besuch des Schweizer Radio und Fernsehen SRF lernen die Teilnehmer/-innen der Integrationsvorlehre (INVOL), wie qualitativ hochstehende TV-Sendungen im Studio produziert werden. Als sie selbst vor der Kamera stehen, präsentieren sie wie Profis die News aus Bern und Brüssel.
Dass sie selbst vor einer Fernsehkamera stehen würden – damit hatte niemand der Teilnehmer/-innen des Kurses von Ursina Vetsch gerechnet. Für das Modul «Normen und Werte» der Integrationsvorlehre (INVOL) hatte sich die Kursleiterin für den Schwerpunkt «Politik» etwas Spezielles ausgedacht: ein Besuch der Studios des Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Ihr Ziel war, den Teilnehmenden zu zeigen bzw. sie direkt erleben zu lassen, wie wichtig Qualitätsjournalismus ist und welche Ressourcen und Technik nötig sind, die unterschiedlichsten Sendungen in den Bereichen Kultur, Politik oder Sport zu produzieren.
Am Empfang des SRF wartet bereits Jasmin Himmel. Seit vielen Jahren arbeitet sie beim Fernsehen und wenn sie nicht gerade Interessierte durch den Sender führt, filmt sie mit der Bodycam bei grossen Veranstaltungen. Zu Beginn fragt sie ihre Gäste nach Sendungen des Schweizer Fernsehens – ausser den Sportsendungen scheint das SRF niemand zu kennen.
Und schon geht es – mit einem kurzen Blick in einen Schminkraum – zum Studio des «Sportpanorama». Im hellen und weiträumigen Raum steht ein grosser Moderationstisch. Spontan setzen sich zwei auf die dortigen Stühle und dürfen sich wie Persönlichkeiten aus der Sportwelt fühlen, die bei Fabienne Gyr oder Paddy Kälin zu Gast sind. Frau Himmel erklärt ihnen das Konzept dieser Live-Sendung und weist auf besondere Herausforderungen für die Kameraleute hin: Wenn sie jemanden in Nahaufnahme zeigen, dürfen sie nicht durchs Bild der Hauptkamera laufen, sonst erscheinen sie im Fernsehen, das gleiche gilt für den Weg zurück an ihren Ausgangspunkt.

Neues News- und Sportcenter NSC
Über viele Gänge gelangt die Gruppe anschliessend zum Studio des Quiz «1 gegen 100». Dieses wird – im Gegensatz zum Sportpanorama – aufgezeichnet, meistens mehrere Sendungen in einer Woche. Daher müssen Kandidatinnen und Kandidaten für die Sendung verschiedene Kleidungsstücke mitbringen, um während der mehrtägigen Produktion nicht immer gleich angezogen zu sein. Danach führt sie Jasmin Himmel zum neuen News- und Sportcenter (NSC). Aus dessen Studiolandschaft sendet SRF die Hauptausgabe der «Tagesschau», «10 vor 10» oder der «Eco Talk», erklärt sie. Das Studio ist ganz in Rottönen gehalten und Besucher/-innen können es nur von aussen betrachten – Glasscheiben umschliessen den Raum. Was auffällt sind die in den Boden eingelassenen Schienen, auf den die Kameras während der Sendungen vollautomatisch vor die Moderatorin oder den Sprecher fahren.
Nun geht es ins Studio der «Arena». Als Vorbereitung hatten die Teilnehmer/-innen des INVOL-Kurses im Unterricht Auszüge dieser Sendung angeschaut. Damit wollte ihnen die Kursleiterin ein bekanntes SRF-Format zeigen und wie Meinungsverschiedenheiten diskutiert werden. Das Studio selbst ist überraschend klein; durch runde Ecken wirkt es auf dem Bildschirm grösser – eine Art optischer Trick. Die Diskussionsendungen werden einige Stunden vor der Ausstrahlung aufgezeichnet und ungeschnitten gesendet. Im Fernsehen scheint die «Arena» 'live' zu sein, doch live sei nicht immer direkt, gerade jetzt, verrät Jasmin Himmel.

Selbst vor der Kamera stehen
Eine Arena-Sendung nachzuspielen, findet keinen grossen Zuspruch bei Ursinas Kursgruppe. Umso engagierter ist sie aber kurze Zeit später: Vor einer Green Screen darf sie für die «Tagesschau» in die Rolle von SRF-Korrespondenten in Bern oder Brüssel schlüpfen. Die Nachrichtentexte liest sie gekonnt vom Teleprompter ab, im Hintergrund sind das Signet der Nachrichtensendung bzw. Bilder aus dem Bundeshaus oder dem EU-Sitz zu sehen – so als ob tatsächlich von dort berichtet würde.
Damit geht der Besuch beim SRF dem Ende entgegen, eine gute Gelegenheit für die Kursleiterin, ihre Gruppe nach ihrem Eindruck zu fragen. «So etwas wäre bei uns nicht möglich, dass man das staatliche Fernsehen besuchen darf», gibt Camara sein Erstaunen wieder; es habe nicht einmal besondere Sicherheitsvorkehrungen gegeben. Seine Kollegin Rofida ergänzt, dass für sie das Konzept eines öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wie es u.a. in der Schweiz existiert, «komplett fremd» war. Vielleicht sind es genau diese Beobachtungen, die zeigen, dass das öffentliche Fernsehen keine Selbstverständlichkeit und Zeichen einer gelebten und funktionierenden Demokratie ist.
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