Regelmässig unternehmen die ABU-Klassen der EB Zürich eine politische Bildungsreise. Diesmal führte sie nach Genf, in das Zentrum der internationalen Zusammenarbeit. Auf dem Programm: Der Ökumenische Rat der Kirchen, der Europasitz der UNO und die Ständige Mission der Schweiz bei den Vereinten Nationen.
«Ich bin dankbar, an dieser Studienfahrt teilnehmen zu dürfen – eine bessere Gelegenheit, einen direkten Einblick in die Weltpolitik zu erhalten, gibt es nicht», sagt Kenza. Sie stammt aus Algerien, lebt seit vielen Jahren in der Schweiz und arbeitet in der Pflege. Auch Ruth, Betreuerin in einem Hort, freut sich: «Politik interessiert mich – vor allem die demokratischen Prozesse. In meinem Heimatland Eritrea herrscht Diktatur, und man erfährt nichts.»
Knapp 30 Lernende aus fünf Klassen steigen an diesem frühen Morgen in den Bus nach Genf. Sie besuchen den Allgemeinbildenden Unterricht (ABU) an der EB Zürich, um ihren Berufsabschluss nachzuholen. «Politische Bildung» ist ein zentraler Bestandteil des ABU – deshalb gehören Exkursionen zu internationalen Organisationen fest zum Programm.
Politik erleben statt nur darüber zu sprechen
Einige Lernende waren schon bei der letztjährigen Reise dabei: Damals ging es nach Strassburg ins EU-Parlament, wo gerade über Frauenrechte debattiert wurde. «Politik vor Ort zu erleben, prägt nachhaltiger als Theorie im Klassenzimmer», sagt ABU-Lehrer Florian Schmid. Er organisiert die Exkursionen, um die internationale Zusammenarbeit sowie die Globalisierung und ihre Folgen greifbar zu machen. «Viele unserer Lernenden haben einen Migrations- oder Fluchthintergrund. Daher finde ich es besonders wichtig, sie für globale Themen zu sensibilisieren. Sie betreffen uns alle – auch jene, die in der Schweiz nicht stimmberechtigt sind.» Damit auch Kursteilnehmende mit knappen finanziellen Mitteln teilnehmen können, wird die Reise von der Gesellschaft zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (GFGZ) und dem Restaurant Johanniter unterstützt.
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Wie der Weltkirchenrat politischen Druck ausübt
Gleich nach ihrer Ankunft in Genf trifft die Gruppe Dinesh Suna, den Leiter der Abteilung für Land, Wasser und Ernährung beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Der ÖRK vereint weltweit mehr als 350 christliche Kirchen und tritt für Dialog und gemeinsame Anliegen ein. Suna führt den Lernenden eindrücklich vor Augen, wie gewaltig der Ressourcenverbrauch der Menschheit ist – und wie der ÖRK den Zugang zu Trinkwasser verbessert: nicht als Hilfsorganisation vor Ort, sondern indem er das Thema auf das politische Parkett bringt. Obwohl die UNO den Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen 2010 als Menschenrecht anerkannt hat, bleibt die Verteilung vielerorts ungerecht.
Hinter den Kulissen der UNO
Nach dem Mittagessen in der Cafeteria des Roten Kreuzes führt ein kurzer Spaziergang zum Palais des Nations, einem der wichtigsten Orte internationaler Diplomatie. Am Nachmittag tagt dort der UN-Menschenrechtsrat mit 47 Mitgliedsstaaten. Auf der Agenda stehen unter anderem der Klimawandel und die Geschlechtergerechtigkeit – auch mit Blick auf Trinkwasser. Während der Führung durch das Gebäude sehen die Teilnehmenden den grossen Verhandlungssaal zwar nur während der Sitzungspause durch eine Glaswand – dennoch ist erkennbar, wie hier Politik gestaltet wird.
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«Im Moment gibt es viele Schwierigkeiten auf der Welt. Umso wichtiger ist es, den Teilnehmenden mitzugeben, dass wir eine Gemeinschaft sind und uns gemeinsam engagieren müssen – weil wir nur eine Welt haben.»
Einblick in die Arbeit der Schweizer Mission
Zum Abschluss besucht die Gruppe die Ständige Mission der Schweiz bei der UNO. Pressesprecherin Paola Ceresetti erklärt, wie die Schweiz ihre Interessen in den internationalen Organisationen vertritt und wie trotz unterschiedlicher Positionen gemeinsame Lösungen entstehen. Geduldig beantwortet sie die zahlreichen Fragen der Lernenden: Was unterscheidet die Arbeit der Mission von derjenigen einer Botschaft? Wie funktioniert diplomatische Immunität? Wo hat man gemeinsame Lösungen gefunden, die den Menschen helfen?
Die Rückfahrt nach Zürich bietet Gelegenheit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Für die einen bleibt die internationale Gemeinschaft besonders in Erinnerung, für andere die Erkenntnis, wie wichtig ein sparsamer Umgang mit den Ressourcen ist. Einig sind sich alle: Politik wirkt oft weit entfernt – in Genf rückte sie ein grosses Stück näher.
Teilnehmerstimmen:
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«Es hat mich sehr beeindruckt, in den Verhandlungssaal der UNO zu blicken – so viele Menschen von so vielen Ländern, die sich mit einem Thema befassen. Traurig finde ich, dass mein Heimatland Tibet nicht vertreten ist.»
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«Die Ressourcen, die wir verbrauchen im Vergleich zum Budget, das wir zur Verfügung haben – das hat mich wirklich erstaunt.»
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«Eine wichtige Erkenntnis war für mich, wie viel Wasser wir für die Produktion von Lebensmittel brauchen.»
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Kursleiter Florian Schmid hat an der Universität Zürich Politikwissenschaften studiert und ist eidg. diplomierter Berufsfachschullehrer. Seit vielen Jahren unterrichtet er in ABU-Kursen und ist nebenberuflich politisch tätig. Schmid ist Präsident der Gesellschaft zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (GFGZ), einer Denkfabrik und NGO, die Brücken bauen, Vorurteile abbauen und grenzübergreifende Begegnungen ermöglichen will. Die GFGZ veranstaltet Seminare, Podiumsdiskussionen, Studienreisen etc. und unterstützt Projekte in Osteuropa.
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