Berufsbildner/-innen müssen Probleme nicht allein lösen. Am Berufsbildungs-Markt der EB Zürich lernen sie Fachstellen kennen, die Betriebe und Lernende in schwierigen Situationen kompetent unterstützen. Drei Fachstellen geben Einblick in ihre Arbeit.
Berufsbildner/-innen begleiten Lernende in einer prägenden Lebensphase. Zwischen Schulabschluss, Berufseinstieg und Erwachsenwerden tauchen Fragen und Schwierigkeiten auf, die über den Berufsalltag hinausgehen. Doch wie weit reicht die Verantwortung des Lehrbetriebs? Wann ist externe Unterstützung sinnvoll? Und welche Stellen können helfen?
Antworten auf diese Fragen erhalten Berufsbildner/-innen am Berufsbildungs-Markt, der ein fester Bestandteil unserer Berufsbildnerkurse ist. Dort präsentieren das Mittelschul- und Berufsbildungsamt sowie verschiedene Fachstellen ihr Angebot und laden zum Austausch ein. Wir haben drei Fachstellen gefragt, wie sie Betroffene konkret unterstützen.

AES: Hilfe und Beratung bei Ess-Störungen
Die Fragen beantwortet: Martina Papadellis, Diplompädagogin und Fachberaterin.
Woran erkennen Berufsbildner eine mögliche Essstörung?
Wenn sie spüren, dass etwas nicht stimmt, sollten sie genauer hinschauen. Oft ziehen sich Betroffene zurück: Sie meiden die Kaffeepause, das Mittagessen oder andere soziale Situationen. Im fortgeschrittenen Stadium sinkt auch die Arbeitsleistung. Essstörungen treten in vielen verschiedenen Formen auf und sind nicht immer sichtbar.
Wie sollten Berufsbildner vorgehen, wenn sie sich Sorgen machen?
Zuerst beobachten, was Kollegen oder andere Lernende berichten – nicht, um «hinter dem Rücken zu reden», sondern um die eigene Wahrnehmung abzugleichen. Dann das Thema in einem vertraulichen Gespräch ansprechen. Wichtig: keinen Druck ausüben wie «Du verlierst deine Lehrstelle», sondern Unterstützung anbieten. Berufsbildner stehen hier oft in einem Zwiespalt: Sie wollen dem Betroffenen helfen, doch sie sind auch dem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet und was tun, wenn die Arbeitsleistung abnimmt? In solchen Fällen kann man vereinbaren, die Lehre fortzusetzen, wenn die betroffene Person Hilfe annimmt. Wir sind hier eine erste niederschwellige Anlaufstelle. Konkrete Tipps finden Berufsbildner auch in unserer Broschüre «Essstörung am Arbeitsplatz».
Welche Unterstützung bieten Sie Betroffenen?
Wir beraten anonym und kostenlos, beantworten Fragen, ordnen die Situation ein und zeigen mögliche Wege auf. Wir bieten keine langfristige Therapie an. Betroffene erhalten Adressen aus unserem Netzwerk. Wichtig ist, dass sie selbst aktiv werden und das Problem angehen wollen – das ist ein entscheidender Schritt im Heilungsprozess. Eltern oder Berufsbildner können allein oder gemeinsam mit den Betroffenen zu uns kommen. Zusätzlich bieten wir Austauschgruppen für Betroffene und Angehörige, Aufklärung und Weiterbildungen an.
www.aes.ch

Job Caddie: Kostenloses Mentoring
Die Fragen beantwortet: Anjli Sweeting, Programm-Mitarbeiterin.
Wann kommt Job Caddie zum Einsatz?
Wir helfen jungen Leuten bei Problemen in der Lehre, nach einer Lehrvertragsauflösung oder bei der Suche nach der ersten Arbeitsstelle. Wichtig: Jugendliche müssen selbst anrufen – wir nehmen keine Zuweisungen entgegen. Berufsbildner/-innen können sich bei Fragen zu einer Situation ebenfalls an uns wenden.
Wie unterstützen Sie die Jugendlichen?
Je nach Bedarf besprechen wir die Situation, bereiten gemeinsam Gespräche vor oder helfen beim Bewerbungsprozess. Dafür stellen wir Mentoren zur Seite – 80 Ehrenamtliche aus verschiedenen Berufsfeldern engagieren sich bei uns. Gemeinsam mit den Jugendlichen suchen sie passende Betriebe, erstellen Bewerbungsunterlagen oder üben Vorstellungsgespräche. Das Konzept funktioniert: Die meisten finden mit Unterstützung von Job Caddie wieder in den Beruf; sei es durch ein Praktikum, eine neue Lehrstelle oder eine andere Lösung.
Was können Berufsbildner im Alltag tun, bevor eine Situation eskaliert?
Wir haben eine ganze Liste von Empfehlungen – hier sind drei davon: regelmässig Gespräche führen und Probleme frühzeitig ansprechen; Ziele und Leistungen eng begleiten, gute und schlechte Noten zeigen lassen, wissen, wo die Lernenden stehen; bei Minderjährigen den Kontakt zu den Eltern pflegen, auch wenn alles gut läuft. So lässt sich im Ernstfall leichter eine Vertrauensbasis schaffen.
www.jobcaddie.ch

Samowar Jugendberatung: Unterstützung bei emotionalen Belastungen
Die Fragen beantwortet: Daniela Ganz, Psychologin / Psychotherapeutin.
Mit welchen Anliegen kommen Jugendliche zu Ihnen?
Grundsätzlich können Jugendliche sich mit jeglichen Themen, die sie emotional belasten, an uns wenden. Was uns seit einiger Zeit am meisten beschäftigt, ist der Umgang mit den sozialen Medien – wobei sich deswegen fast ausschliesslich die Eltern bei uns melden. Die Jugendlichen beschäftigen die Ablösung vom Elternhaus, Identitätsfragen, intime Beziehungen, Stress, Konzentrationsprobleme und fehlende Motivation in Schule oder Ausbildung. Auf Sekundarstufe rückt der Berufseinstieg in den Fokus, der oft Ängste und Unsicherheiten auslöst.
Wer sucht am häufigsten Rat – Jugendliche, Eltern oder Ausbildungsbetriebe?
Meistens rufen Eltern an. Sie wünschen eine Beratung oder melden ihr Kind für ein Einzelgespräch an. Etwa ein Drittel der Anfragen kommt direkt von Jugendlichen. Wir bieten schnelle, unkomplizierte Unterstützung. Wenn ein Fall intensive Betreuung oder einen engen Rahmen erfordert, vermitteln wir an spezialisierte Stellen.
Wann sollten Berufsbildner Sie kontaktieren?
Lieber früh als spät. Oft deuten unspezifische Anzeichen auf Probleme hin: Die Leistung nimmt ab, die Zuverlässigkeit lässt nach, der Jugendliche zieht sich zurück. Gemeinsam klären wir die Situation. Wir betreuen die Bezirke Meilen und Horgen – auf www. jugendberatung.me findet sich ein Verzeichnis aller Jugendberatungsstellen im Grossraum Zürich.
www.samowar.ch
Ihre Ansprechperson

