Wie können Betriebe die Rolle von Berufs- und Praxisbildenden stärken? Beim Morgen-Gipfel Mitte März 2026 diskutierten Fachleute aus verschiedenen Branchen über konkrete Massnahmen.
«Gespräche mit Teilnehmenden unserer Berufsbildnerkurse zeigen immer wieder: Die Arbeitsbedingungen variieren von Betrieb zu Betrieb», eröffnete Stefan Zwicker, Leiter «EB Connect», den Morgen-Gipfel. «Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen, wie wir die Rolle der Berufs- und Praxisbildenden stärken können.»
So fördern Organisationen die Berufsbildung
Sarah Wolfensberger, Leiterin Berufsbildung bei der Stadt Winterthur, berichtete, wie die Stadt die Berufsbildung mit verschiedenen Massnahmen stärkt. Dazu gehören unter anderem eine Funktionszulage für Berufs- und Praxisbildende, Erfahrungsaustausche und ein Weiterbildungsprogramm für Berufsbildende sowie ein Beurteilungsformular, mit dem Vorgesetzte die Berufsbildungstätigkeit ihrer Berufs- und Praxisbildenden in der jährlichen Mitarbeiterbeurteilung bewerten.
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«Unser Ziel ist, dass jeder Berufs- oder Praxisbildner mindestens einmal im Jahr eine Weiterbildung besucht. So sichern wir die Qualität der Berufsbildung.»
Mentor Alija, Leiter Berufsbildung bei der Klinik Hirslanden, hob die Bedeutung von strukturellen Rahmenbedingungen hervor. Um ihre rund 55 Berufsbildenden zu unterstützen und den Ausbildungsauftrag zu gewährleisten, hat die Klinik klare Richtlinien definiert: zum Beispiel für die Anzahl Lernender pro Berufsbildner, die Arbeitszeit für Ausbildungsaufgaben oder das Vorgehen bei personellen Ausfällen.
Stefan Platter, Leiter Berufsbildung der Emil Frey Gruppe Schweiz, betonte, wie wichtig Fördermassnahmen auch für Praxisbildner/-innen sind. In der Automobilbranche begleiten meist sie die Lernenden im Berufsalltag. Mit der Einführung eines Praxisbildner-Workshops konnte die Lehrabschlussquote verbessert werden.
Zentrale Herausforderungen im Fokus
Der anschliessende Erfahrungsaustausch zeigte, dass die Berufsbildung vielerorts unter knappen Ressourcen leidet. Während in der Gesundheitsbranche Funktionsentschädigungen üblich sind, fehlen sie in anderen Branchen oft. Auch wird die Rolle nicht überall in Stellenbeschreibungen verankert; dies erschwert es, Fachleute für die Aufgabe zu gewinnen oder bei unzureichender Leistung einzugreifen.

Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen: In Branchen mit hoher Fluktuation fehlt Berufs- und Praxisbildenden häufig eine zeitnahe Einführung – was die Qualität der Grundbildung beeinträchtigen kann. In internationalen Unternehmen mangelt es Vorgesetzten teilweise an Kenntnissen über das Schweizer Berufsbildungssystem und über den zusätzlichen Aufwand, den Berufs- und Praxisbildende leisten.
Fazit: Wertschätzung macht den Unterschied
Die Qualität der Berufsbildung hängt wesentlich davon ab, wie sehr Betriebe die Rolle der Berufs- und Praxisbildenden anerkennen – sei es durch finanzielle Anreize, Events, die Verankerung in Stellenbeschreibungen oder eine persönliche Dankeskarte. «Wertschätzung ist der Schlüssel, um die Berufsbildung zu stärken», fasst Stefan Zwicker die Diskussion der Anwesenden zusammen.
Stimmen der Teilnehmerinnen
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«Die Idee, dass Berufs- und Praxisbildner auch für ihre Ausbildungsarbeit beurteilt werden, gefällt mir sehr gut. Das stärkt den Stellenwert dieser Funktion.»
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«Die Berufs- und Praxisbildner sind das Fundament der Berufsbildung. Gerade auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel ist es wichtig, ihre Rolle zu stärken.»
Impressionen
Der nächste Morgen-Gipfel findet am 23. September 2026 statt zum Thema «Fördern und Fordern: wie viele Chancen geben wir Lernenden?». Sind Sie an einer Teilnahme interessiert? Schreiben Sie uns ein E-Mail an: stefan.zwicker@eb-zuerich.ch
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