EB Zürich – Bildungszentrum für Erwachsene

Scrollytelling: Der Mauszeiger als Geschichtenerzähler

Tags: Angebot

15. Februar 2019 / Redaktion

Ob im Journalismus, in der Unternehmenskommunikation oder im Marketing – wer beim Geschichtenerzählen sämtliche Register ziehen will, kommt um multimediales Scrollytelling nicht herum. Worum gehts und was steckt dahinter? Ein paar wichtige Antworten.

Multimediales Storytelling und Scrollytelling

Was zum (digitalen) Geier ist Scrollytelling? Klingt irgendwie drollig ...
Scrollytelling kommt von scrollen. Eine Geschichte wird erzählt – anhand von Bildern, Texten, Video-Clips, Ton, Grafiken usw.; die Userin scrollt sich mit der Maus einfach durch, der User wischt sich mit dem Finger auf dem Tablet oder Handy-Schirm durch die Geschichte voran. Scrollytelling heißt, den Besucherinnen und Besuchern Angebote zu machen, die Geschichte fortzusetzen. Die können sie nutzen, müssen sie aber nicht. Geschichten werden also nicht klassisch linear oder chronologisch erzählt, sondern in (multimedialen) Bausteinen, die zusammen ein Ganzes ergeben.

Was soll das bringen? Und was hat das mit Storytelling zu tun?
Scrollytelling ist eine neue multimediale Erzählform. Endlich lassen sich alle Möglichkeiten des Internets für das Geschichtenerzählen auf einer einzigen bedienerfreundlichen Seite nutzen (One-Pager). Hyperlink war gestern; kein Rum- und Hergehüpfe mehr auf andere Haupt- oder Unterseiten oder in andere Programme. Keine komplizierten Userführungen mehr durch unübersichtliche Menüs. Scrollytelling macht das Pull-Down-Menü überflüssig, keine Side-Bars, Banners und Pop-Up-Fenster stören die Optik. So kann man sich ganz auf eine Geschichte und ihr Thema einlassen; die User bestimmen mittels Scrollen den Verlauf der Geschichte und den Grad der Vertiefung. Sie Springen innerhalb der Geschichte von Kapitel zu Kapitel.

Wer hats erfunden? Was sind die Vorteile?
Scrollytelling stammt aus dem Journalismus: Es ermöglicht die viele Sinne ansprechende multimediale Reportage. Textlastigkeit und Bleiwüsten passen schlecht in die bilderreiche Webwelt. Endlich können tolle Fotos und witzige Videos auch gestalterisch richtig zur Geltung gebracht und mit schlauem Text verknüpft werden. Die Trennung zwischen Text und Bild, wie sie in den klassischen Medien-Blogs noch vorherrscht, wird aufgehoben. Das ermöglicht eine ganz neue, emotionalere, ästhetischere Nutzererfahrung.

Scrollytelling transportiert als Medium also vor allem Ästhetik und Emotion?
Ja, es schafft mit visuellen, manchmal auch künstlerischen Mitteln eine besondere Beziehung zu einem Publikum, das sich mit bestimmten Inhalten vertieft auseinandersetzen oder schöne Darreichungsformen geniessen will. Es lehnt sich von daher am ehesten am Magazin-Journalismus an.

Für welche Arten von Kommunikation eignet sich multimediales Scrollytelling?
Die Palette an möglichen Anwendungen ist breit: Showcases für Produktpräsentationen, digitale Lerninputs und -medien, museales Kuratieren, künstlerische Anwendungen, dokumentarische Formen usw. Paradebeispiel ist der Longform-Journalismus; längere, narrative Erzählformen und hintergründige Qualität haben auch im Internet ihre Berechtigung und lassen sich heute hervorragend auch mit bewegten Bildern verknüpfen: Videos, Clips, Podcasts usw. Kommunikation im Netz bedeutet ja nicht notwendigerweise Boulevard und leicht verdauliche Häppchen.

Worauf kommt es dabei an?
Qualität, vor allem gute, professionell anmutende Bilder und Videos. Was amateurhaft und dilettantisch daher kommt, wird gnadenlos weggeklickt. Früher brauchte man für eine professionelle multimediale Reportage ein Team von mehreren Leuten: Fotografinnen, Videoproduzenten, Texterinnen, Webdesigner usw. Das war aufwändig und teuer. Dank neuer Programme reichen heute ein Handy und ein Laptop, um multimediale Geschichten zu produzieren. Die Qualität des Ergebnisses steht und fällt mit den Zutaten: ein gutes Auge, gestalterisches Geschick und Flair fürs Texten helfen sie zu produzieren. Im Idealfall verschmelzen am Ende alle Elemente zu einer Einheit.

Was müssen multimediale Storyteller / Scrollyteller können?
Knacknuss beim Storytelling, auch dem multimedialen, ist die Planung; was erzähle ich wann wie? Wofür setze ich welches Medium ein? Dieser Plan funktioniert wie ein Drehbuch: Welche Teile packe ich in ein Video, wie viel Text will ich einsetzen, wie gestalte ich den, was mache ich mit Audios, was ist auf den Fotos zu sehen? In welcher Beziehung stehen Text und Bilder zueinander, was transportiert welche Inhalte? Die einzelnen Medien werden zu Kapiteln meiner Geschichte.

Und technisch? Muss man dafür ein Technik-Crack, ein Geek sein?
Nein, die neusten Scrollytelling-Programme sind sehr einfach anzuwenden. Es gibt Open-Source- und Gratisanwendungen. Verbreitet sind Storybuilder, Shorthand oder Storyform. Im Kurs an der EB Zürich wird mit Pageflow und Adobe Spark gearbeitet, weil sie sehr bedienerfreundlich sind. Im Kurs geht es darum, für ein Projekt alle Bausteine und ihre Verwendung sehr klar zu definieren. Professionelle Kursleiterinnen mit Scrollytelling-und Multimedia-Erfahrung helfen Ihnen, Ihr Projekt umzusetzen.

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