EB Zürich – Bildungszentrum für Erwachsene

Adrienne Fichter über Social Media und Demokratie

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9. Mai 2018 / Redaktion

Adrienne Fichter

Während den diesjährigen Informatiktagen wird Adrienne Fichter, Journalistin beim Online-Magazin «Republik» und Politologin, am 1. Juni 2018, um 18.30 Uhr in der Aula der EB Zürich über «Auswirkungen sozialer Netzwerke auf die Demokratie» sprechen. Hier ein kurzes Vorabinterview mit der Referentin.

Frau Fichter, der Titel Ihres Vortrags ist neutral gefasst, heisst das, dass es positive und negative Auswirkungen gibt?
AF: Soziale Netzwerke haben in der jüngeren Geschichte eine wichtige Rolle gespielt, wenn es um die Vernetzung und Mobilisierung von Menschen ging, die aus einer Opposition heraus für ihre Anliegen kämpften. So konnten Themen in die politische Agenda eingebracht werden, die sonst nicht gehört worden wären. Das war positiv.

Funktioniert das heute nicht mehr so?
AF: Leider viel weniger. Das hat mit der Monopolstellung von Facebook zu tun. Auch wenn Mark Zuckerberg anderes vorgibt, so verhindert sein Geschäftsmodell, dass konstruktive Debatten stattfinden. Nutzerinnen und Nutzer sind einer von Algorithmen gesteuerten Struktur ausgesetzt, die keine Transparenz zulässt. Das ist ungesund und führt zu diesem Vertrauensverlust gegenüber Nachrichten.

Gibt es keine Alternativen zu Facebook?
AF: Schwierig. Facebook hat solche eine finanzielle Macht, dass sie Konkurrenten einfach aufkaufen kann (z.B. Instagram, Whatsapp). So gibt es kaum Alternativen und so ist halt Facebook weitaus das grösste Netzwerk, dem dann viele angehören, weil eben auch alle Freundinnen und Freunde dort sind.

Der Missbrauch von Nutzerdaten hat gezeigt, dass Facebook ein strukturelles Problem hat. Zuckerberg verspricht, sein Produkt so zu verändern, dass ein solcher Missbrauch nicht mehr möglich ist. Glauben Sie daran?
AF: Für mich gibt es starke Zweifel. Es gehört zum Geschäftsmodell von Facebook, dass mit Daten der Nutzerinnen und Nutzer Geld verdient wird. Was Zuckerberg jetzt anbietet, das sind kosmetische Korrekturen, grundsätzlich ändert das nichts.

Das tönt pessimistisch? Gibt es einen Hoffnungsschimmer?
AF: Neue Datenschutzgesetze hier in Europa sehen vor, dass Nutzerinnen und Nutzern die Autonomie über die eigenen Daten zurückerhalten sollen. Sie sollen bestimmen können, was mit ihnen geschieht. Diese sogenannte Datenportabilität bringt sicher etwas. Damit aber soziale Netzwerke wieder stärker als demokratieförderliche Formate wirken können, braucht es noch mehr Anstrengungen.

Präsentation zum Referat von Adrienne Fichter an den Informatiktagen 1./2. Juni 2018 
Informatiktage 

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