«Eine wichtige Rolle im System»

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29. Oktober 2019 / Redaktion

Niklaus Schatzmann, Amtschef des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes

Die EB Zürich gehört organisatorisch zu den Berufsfachschulen des Kantons. Niklaus Schatzmann, Amtschef des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, hat den Umbau begleitet.

Herr Schatzmann, Sie waren im Steuerungsausschuss des Projektes zur Neuausrichtung der EB Zürich. Wie haben Sie persönlich den Strategieprozess erlebt?

Ich bin beeindruckt vom Prozess und den erzielten Ergebnissen. Der Prozess hat sich vor meiner Zeit als Amtschef bereits über Jahre hingezogen. Der Markt für Weiterbildungen ist aufgrund externer Einflussfaktoren erodiert. Die EB Zürich war aufgrund von Wettbewerbsfaktoren, die sie selber nicht beeinflussen konnte, kaum mehr konkurrenzfähig und musste radikal neu ausgerichtet werden. Diese Notwendigkeit wurde von der Führung der EB Zürich erkannt. Der Prozess hat unter der neuen Leitung der EB Zürich deutlich an Fahrt aufgenommen und war geprägt von einer engen und fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der Bildungsdirektion bzw. dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt und der EB Zürich.

Wie ist die Neupositionierung der EB Zürich im Kontext des Zürcher Berufsbildungssystems und des sich in Vernehmlassung befindenden Projektes zu den Kompetenzzentren zu betrachten?

Vom Projekt Kompetenzzentren ist die EB Zürich nur am Rande betroffen, da es um die Berufszuteilung in der Grundbildung geht. In Zukunft wird die EB Zürich jedoch im Berufsbildungssystem des Kantons Zürich eine gewichtige Rolle einnehmen, beispielsweise als Drehscheibe im Bereich der Digitalisierung als «Digital Learning Hub» oder im Bereich Nachholbildung und Grundkompetenzen. Die EB Zürich übernimmt damit Aufgaben, die für das Gesamtsystem wichtig sind, aber an einer «klassischen» Berufsfachschule fehlplatziert wären.

In welchen Bereichen sehen Sie künftig mögliche Aufträge des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes an die EB Zürich?

Wie erwähnt betrifft das insbesondere die Bereiche Grundkompetenzen, Berufsbildung 4.0 (z. B. «Digital Learning Hub») und Berufsabschluss und Berufswechsel mit den Themen Umschulung, Nachholbildung und Integrationsvorlehre.

Sie waren langjähriger Rektor eines Gymnasiums. Welche Bedeutung hat für Sie die Berufsbildung ganz allgemein?

Für mich ist die Berufsbildung relativ neu, aber auch sehr interessant. Auch wenn die Medien manchmal ein anderes Bild suggerieren: Im Kanton Zürich machen fast 80 Prozent der Jugendlichen eine Berufslehre. Zur Bedeutung der Berufsbildung muss ich aus dieser Perspektive also nicht viel mehr sagen. Ich bin zwar bereits zwei Jahre im Amt, aber nach wie vor beeindruckt von der Vielfältigkeit der Thematik und insbesondere von der Dynamik und der Kraft der Entwicklung, die in diesem System vorhanden sind.

«Die EB Zürich übernimmt Aufgaben, die für das Gesamtsystem wichtig sind, aber an einer «klassischen» Berufsfachschule fehlplatziert wären.»

Entwicklungen dauern zwar ihre Zeit, doch werden sie angepackt. Und alle Akteure sind sich bewusst, dass es eine Zusammenarbeit zwischen den Schulen, den Betrieben, der Wirtschaft, dem Bund, den Organisationen der Arbeitswelt und der Verwaltung braucht. Diese Zusammenarbeit ist nicht immer so effizient, wie sie sein könnte und sein müsste. Manchmal gibt es auch Rückschläge und Schlaufen, die durchlaufen werden müssen.

Und bisweilen geraten jene, um die es geht, nämlich die jungen und manchmal auch schon älteren Menschen, welche eine optimale Bildung erhalten sollen, vor lauter Zahlen und Paragraphen fast etwas vergessen. Der Wille und die Energie, sie im Fokus zu behalten, gleichzeitig nach vorne zu blicken, Neues zu schaffen und das System weiterzuentwickeln, sind jedoch in meiner Wahrnehmung überall vorhanden. Das ist nicht nur extrem spannend, ich bin auch froh und dankbar, dass ich meinen Teil zu diesem schweizerischen Erfolgsmodell der Berufsbildung beitragen darf.