Grundkompetenzen erlernen in der Lernstube der Caritas Zürich

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12. April 2021 / Céline Camenzind

Anfang März hat der Zürcher Kantonsrat den grosszügigen Rahmenkredit für das Programm zur Förderung der Grundkompetenzen für die nächsten vier Jahre einstimmig bewilligt und das zu Recht: rund 140’000 Personen im Kanton Zürich bereiten Lesen, Schreiben, Rechnen oder der Umgang mit Computer und Handy Mühe, obwohl sie die Volksschule in der Schweiz abgeschlossen haben. Fehlende Grundkompetenzen führen häufig dazu, vom gesellschaftlichen Leben und der Berufswelt ausgeschlossen zu werden. Seit Anfang Jahr bietet die Lernstube – ein neues Angebot von Caritas Zürich – Betroffenen unkomplizierten Zugang zu Bildung und Lernen.


Leiterin LernLokal Bildung, Simone Gschwend, im Interview
© Céline Camenzind

Die Lernstube der Caritas Zürich schafft für Menschen, die ihre Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen oder den Umgang mit Computer und Handy verbessern möchten, neue Lernmöglichkeiten. Dabei werden sie von Lehrpersonen, Animatoren/innen und Freiwilligen unterstützt. Klassische Kurse gibt es dort nicht. Die Teilnehmenden lernen ganz individuell nach ihren eigenen Bedürfnissen und können jederzeit ein- oder aussteigen. Ausserdem bietet Caritas Zürich zu den meisten Kursen eine kostenlose Kinderbetreuung an.

Caritas Zürich ist über ihre Beratungsstellen und Projekte in Kontakt mit Betroffenen. Sie stellt – in Zusammenarbeit mit dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt Kanton Zürich (MBA) – den organisatorischen Rahmen für die Lernstuben zur Verfügung, während die EB Zürich die didaktische Fachexpertise mitbringt. Zum einen gestalten die Lehrpersonen der EB Zürich in den Lernstuben den Unterricht. Zum anderen schult die EB Zürich das Lernstubenpersonal, welches die Kursteilnehmenden berät und begleitet. „Die Anforderungen an die Lehrpersonen sind sehr anspruchsvoll“, weiss Simone Gschwend, Leiterin LernLokal Bildung und zuständig für die Lernstube von Caritas Zürich. „Die Voraussetzungen und Lerninteressen der Teilnehmenden sind oft sehr unterschiedlich. Das erfordert einen grossen Rucksack an didaktischem Knowhow. Es braucht Einfühlungsvermögen, Flexibilität, aber vor allem auch fächerübergreifendes Denken“.

Fehlende Grundkompetenzen werden von unserer Gesellschaft tabuisiert. Es braucht daher in Zukunft noch einiges an Sensibilisierungsarbeit. Doch Simone Gschwend ist zuversichtlich, dass das Thema und auch die Lernstuben in Zukunft an Bekanntheit gewinnen werden: „Aufgrund der einstimmigen Annahme des grosszügigen Rahmenkredits zur Förderung von Grundkompetenzen im Kanton Zürich blicken wir optimistisch in die Zukunft. Die Zeichen für das Lernstubenangebot stehen gut“, so Gschwend.

 

«Mit dem Team was zu erreichen, motiviert mich besonders»

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30. März 2021 / Jürgen Deininger

Seit 1. März 2021 leitet Gabriela Notter neu die Administration. Dieser Aufgabenbereich musste im Zuge der strategischen Neuausrichtung der EB Zürich neu ausgerichtet und umorganisiert werden: So brauchte es z.B. für die Integrationsvorlehre und START! Berufsbildung ein neues Anmeldeprozedere und die Umstellung auf Fernunterricht erforderte plötzlich einen höheren Kommunikationsbedarf zwischen Admin, Kursleitung sowie Teilnehmenden.

Gabriela Notter, Leiterin Administration EB ZürichGabriela Notter, neue Leiterin der Administration der EB Zürich

Auch die Arbeit im Home-Office bedeutete für Gaby und ihr Team einen höheren Koordinations- und Kommunikationsaufwand. Ihren Ausgleich findet die gebürtige Zürcherin in ihrer Wohnstadt Winterthur, den dortigen Singfrauen und ihrem Quartett (sofern möglich). Sie probiert auch gerne neue Kochrezepte aus und erkundigt die nähere Umgebung auf ausgedehnten Spaziergängen.

Was motiviert dich bei deiner Arbeit?

«Ich freue mich eigentlich jeden Tag auf die Arbeit. Die Zusammenarbeit mit Menschen verschiedener Kulturen fasziniert mich. Unvorhergesehe Vorfälle verzögern zwar den gewohnten Ablauf, machen aber die Arbeit spannend und abwechslungsreich. Zudem arbeite ich sehr gerne in einem Team, denn: etwas zusammen zu erreichen, motiviert mich besonders.»

Welche Schwerpunkte wirst du in den nächsten Monaten setzen?

«Ich bin der Meinung, dass die Administration das Rückgrat einer jeder Organisation ist. Wenn diese nicht stark und gut organisiert ist, schwächelt der gesamte Betrieb. Diese Wichtigkeit möchte ich meinem Team weitergeben, die Teammitglieder stärken und bestärken. Zudem möchte ich ein Team, das am gleichen Strick zieht, dieselben Wertvorstellungen und denselben Dienstleistungsgedanken teilt. Diese Themen gilt es zu diskutieren. Daneben müssen wir einzelne Prozesse überarbeiten. Ein weiteres grosses Thema wird die Organisation der Stellvertretung zwischen den Teammitgliedern sein. Dafür werde ich Schulungen organisieren.»

Bei welchen Projekten der EB Zürich bist du involviert?

«Im Moment bin ich nebst der Reorganisation der Administration im der Projektgruppe «Customer Relationship Management», ein spannendes Projekt, das mir auch hilft, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Ich denke, dass wir mit Hilfe eines guten CRM schneller und vor allem professioneller auftreten können.»

Dein grosses Hobby ist Singen: Wie konntest du mit deinen Kolleginnen in Corona-Zeiten deiner Leidenschaft nachgehen?

«Wir hatten tatsächlich letzten September unseren einzigen Auftritt zusammen mit einem sardischen Quartett. Dies war nur möglich, weil wir in einer offenen Lagerhalle mit viel Platz und Luft proben konnten. Im Moment proben wir via Zoom und als Quartett ab und zu (heimlich) im Wald.»

Was wünschst du dir nach Corona? Worauf freust du dich am meisten?

«Am meisten fehlen mir die sozialen Kontakte. Ich wünsche mir einen unbeschwerten Kontakt mit meiner Familie und Freunden, Arbeitskolleginnen und -kollegen. Wieder einmal ins Kino zu gehen, ein Konzert zu besuchen oder nach Berlin zu reisen, wäre schon schön. Am meisten freue ich mich auf einen spontanen Apéro mit einem guten Glas Wein und vielen Menschen.»

Im Home-Office hat die gebürtige Zürcherin auch die vielen kleinen Hügel ihrer Wohnstadt Winterthur entdeckt: Gretelberg, Güetli oder Gallispitz sind seither ihre Ziele. Diese dem Wolfensberg vorgelagerten Aussichtspunkte besucht sie häufiger, um ihren Kopf zu lüften und wenn sie nicht mit ihren Singfrauen für den nächsten Auftritt proben kann.

Der lange Weg zum ersehnten Abschluss

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17. März 2021 / Jürgen Deininger

Erwachsene können nach mind. drei Jahren Berufserfahrung eine vormals nicht abgeschlossene Ausbildung z.B. mittels eines Qualifikations- oder Validierungsverfahrens nachholen. Dabei müssen sie auch Kenntnisse der Allgemeinbildung (ABU) nachweisen. Drei Erwachsene stellen sich dieser Herausforderung und holen ihren Abschluss und die ABU nach. Was motiviert sie dazu, warum haben sie damals nicht abgeschlossen und welches sind die Herausforderungen? Ekrem, Fiona und Sandro erzählen davon.

Ekrem in einem Klassenzimmer des BiZE, wo er als Hauswart arbeitetEkrem in einem Klassenzimmer des BiZE, wo er als Hauswart arbeitet
© Céline Camenzind

Eins war ihm von Anfang an klar: an nicht ausreichenden Deutschkenntnissen wollte er nicht nochmals am Abschluss scheitern, das war ihm schon einmal vor 15 Jahren passiert. Heute kann Ekrem Deutsch auf B1-Niveau nachweisen und für B2 fehlt ihm nur noch das offizielle Examen. Diesen August wird er sein Qualifikationsverfahren als Fachmann Betriebsunterhalt EFZ in der Nachholbildung machen, weswegen er seit letztem Sommer den ABU-Kurs an der EB Zürich besucht.

Einen ABU-Kurs besuchen auch Fiona und Sandro, beide haben vor über zehn Jahren ihre berufliche Grundbildung abgebrochen: Fiona verlor anfangs der 2000-Jahre durch einen Umzug den Schulplatz für ihre Ausbildung zur Pflegeassistentin, danach fehlte ihr die Motivation, diese fortzusetzen und abzuschliessen. Nach einem Handelsdiplom und einigen Jahren Arbeit in der Administration kehrte sie wieder in die Pflege zurück und musste feststellen, dass sie ohne Ausbildung «keinen Job mehr findet».

Und Sandro schmiss mit 15 die Schule, holte später die Real nach und erwarb über ein Projekt das EBA als Restaurationsfachmann. Nach vielen Jahren im Service wechselte er in den Pflegebereich. Ohne EFZ-Abschluss sagt er, verdiene er aber weniger und v.a. habe er weniger Ahnung, das sei auch nicht gut für seine «Klienten», wie er die von ihm betreuten Personen nennt. Daher wird er ab August 2021 eine berufliche Grundbildung als FaGe (Fachmann/-frau Gesundheit EFZ) beginnen. Doch warum holen die drei ihren Abschluss nach? Was motiviert sie und welchen Schwierigkeiten müssen sie sich stellen?

Motivation, den Abschluss nachzuholen

Für Fiona steht der Wandel im Gesundheitswesen im Vordergrund. Ihre damals angefangene Ausbildung als Pflegeassistentin ist ihr zu wenig, um den veränderten Anforderungen in ihrer Branche gerecht werden zu können. Ihr aktueller Arbeitgeber schlug ihr vor, das eidgenössische Fähigkeitszeugnis in der Pflegebranche doch noch zu erlangen.

Für Sandro eröffnet sich mit dem Abschluss der früheren Ausbildung der Weg für eine neue; den Pflege-Ausbildungsplatz in Uster hat er bereits. Die neue Lehre verkürzt sich für ihn um ein Jahr, weil er bereits einen Abschluss nachweisen kann.

Ekrem gefällt die Arbeit als Hauswart und er wollte den Abschluss schon immer nachholen. Bei seinem vorigen Arbeitgeber hatte er keine Unterstützung erhalten, da ging es hauptsächlich darum, die Arbeit gut zu machen. Ein Abschluss hätte für die Firma nur höhere Lohnzahlungen bedeutet.

Teilnehmerinnen des ABU-Kurses bei einer GruppenarbeitTeilnehmerinnen des ABU-Kurses bei einer Gruppenarbeit

Diese Aussagen hinsichtlich der Beweggründe, warum jemand nach vielen Jahren Berufstätigkeit den Abschluss nachholen will, bestätigt auch Urs Schweikert. Er ist Prüfungsleiter der ABU-Kurse an der EB Zürich und kennt die unterschiedlichen Hintergründe und Motivation der Kursteilnehmenden bestens. «Erwachsene holen ihre Ausbildung nach, weil dies entweder ihre Anstellung sichert oder zu einem besseren Verdienst führt oder ihnen auch Möglichkeiten für Weiterbildungen eröffnet», so Schweikert. Qualifiziertes Personal verfügt zudem über ein breiteres Wissen und kann durch seine vielseitige Fachkompetenz einem Betrieb mehr Wertschöpfung bringen.

Kein einfacher Weg

Der allgemeinbildende Unterricht ist in aller Regel obligatorischer Bestandteil des Validierungs- bzw. Qualifikationsverfahrens, mit denen ein Berufsabschluss nachgeholt werden kann. «Die grösste Schwierigkeit sind mangelnde Sprachkenntnisse und die hohe Arbeitsbelastung», weiss Urs Schweikert aus seiner Erfahrung. Wegen dieser Belastung brechen Teilnehmer/innen nicht selten schon in den ersten Wochen den Kurs ab oder tauchen einfach nicht mehr im Unterricht auf. 

Die deutsche Sprache ist diesmal nicht die grösste Herausforderung für Ekrem; schwieriger war für ihn, sich neu zu organisieren. Dabei durften weder die Familie und seine beiden Kinder noch seine Lernzeit zu kurz kommen. Nach Anlaufproblemen und vielen Gesprächen mit seiner Frau klappt das mittlerweile recht gut. Für sie sei es nicht besonders schwierig gewesen, wieder in die Schule zu gehen, meint hingegen Fiona. Lernen falle ihr leicht und sie könne alles – Schule, Beruf und Privatleben – gut integrieren. Sandro sagt von sich, dass er ein strenges 2020 hinter sich habe; er zügelte, trennte sich von seinem Partner und hatte noch dazu Corona im Pflegeheim. «Im Moment ist es viel, aber es geht», und er ist zuversichtlich, auch weil ihn sein Kollegenkreis bei allem unterstütze.

Sandrfo und Fiona im ABU-KursSandro und Fiona haben sich im ABU-Kurs kennengelernt

Wichtige Unterstützung durch Arbeitgeber

Einen Abschluss nachzuholen, gilt wegen der hohen zeitlichen Mehrbelastung generell als streng. Eine wichtige Rolle im ganzen Verfahren spielen daher die Arbeitgeber: Sie müssen ihre Mitarbeitenden unterstützen. Bei Fiona und Sandro übernehmen diese die Kurskosten und kommen ihnen mit reduzierten Arbeitspensen bei gleichem Lohn entgegen. Generell sind zukünftig höhere Löhne und verantwortungsvollere Tätigkeiten im Betrieb für viele eine wichtige Motivation, sich diesen Mühen zu unterziehen.

Ekrem erhielt von seinem Vorgesetzten frühzeitig Unterstützung, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Auch der Hinweis, wie er den Abschluss nachholen und wo er sich darüber informieren konnte, kam von ihm – das ist bei vielen Unternehmen keine Selbstverständlichkeit. Ausserdem coachte ihn der Vorgesetzte bei speziellen Arbeiten, die für den Lehrabschluss relevant waren. Und die Aussicht, nach dem bestandenen Qualifikationsverfahren als Hauswart den Höhere Fachprüfung Hauswart in Wetzikon zu besuchen, spornte Ekrem zusätzlich an.

Fiona, Sandro und Ekrem stehen kurz vor ihrem Qualifikationsverfahren. Demnächst werden sie ihre Vertiefungsarbeit fertigstellen und sie im Kurs präsentieren. Da heisst es, Daumen drücken, damit sie diese letzte Hürde auch noch meistern und erfolgreich abschliessen können – zehn, 15 und gar 20 Jahre nach ihrem ersten Versuch. Alles Gute und viel Erfolg!

 

Kontakt

Gabriela Notter
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Kanton fördert Grundkompetenzen

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9. März 2021 / Jürgen Deininger

Jede elfte Person im Kanton Zürich bekundet Mühe beim Lesen und Schreiben, bei der mündlichen Ausdrucksfähigkeit oder bei Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Der Kanton Zürich unterstützt mit 14.8 Millionen neue Förderansätze wie Lernstuben mit dem Ziel, Betroffenen den Wiedereinstieg in Bildung zu ermöglichen.

Kanton Zürich fördert Grundkompetenzen

In seiner gestrigen Sitzung bewilligte der Zürcher Kantonsrat einstimmig einen Kredit von 14.8 Millionen Franken. Damit fördert er in den nächsten vier Jahren Erwachsene mit fehlenden Grundkompetenzen. Diese Fähigkeiten dienen Erwachsenen dazu, ihren privaten und beruflichen Alltag selbständig zu meistern und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Davon betroffen sind im Kanton Zürich ca. 140'000 Erwachsene, das entspricht etwa 15% der erwerbstätigen Bevölkerung. Unter Grundkompetenzen versteht man die folgenden Fähigkeiten:
-   Lesen und Schreiben sowie die Fähigkeit, sich mündlich auszudrücken
-   Grundkenntnisse in Mathematik
-   die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie
-   transversale Kompetenzen wie komplexes Problemlösen, Selbstorganisation, Sozialkompetenz

Die Bildungsdirektion und das Mittelschul- und Berufsbildungsamt haben ein mehrstufiges Programm zur Förderung von Grundkompetenzen ausgearbeitet: Sogenannte Lernstuben ermöglichen Betroffenen einen niederschwelligen und v.a. kostenlosen Wiedereinstieg in die Bildung und mit daran anschliessenden Kursen können diese einen Sekundar- oder Berufsabschluss nachholen.

Seit Herbst 2020 sind Lernstuben in Dübendorf (WBK Dübendorf), in Kloten und in Zürich-Nord in Betrieb. Viele der angebotenen Kurse sind gut besucht oder ausgebucht. Auch die Caritas Zürich bietet in LernLokalen/Lernstuben niederschwellige Angebote zu »Lesen und Schreiben» oder Computerkurse für Einsteiger an. Daran beteiligt ist auch die EB Zürich, sowohl konzeptionell wie mit eigenen Kursleitenden. Die Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt wird weitere Lernstuben eröffnen und dabei unterstützt die EB Zürich die Fachstelle Grundkompetenzen des Kantons.

 

Die Integrationsvorlehre – eine Erfolgsgeschichte für Flüchtlinge und Betriebe

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4. März 2021 / Jürgen Deininger

Integrationsvorlehre für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene in der Manor Winterthur

© Bulletin Frühjahr 2021 ASFL SVBL

Dass die Integrationsvorlehre für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene eine einzigartige Erfolgsgeschichte ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Zahlreiche Publikationen in Tageszeitungen und in Medien der beteiligten Firmen und Verbände legen Zeugnis davon ab.

Auch die Manor Winterthur beteiligt sich daran. Im Bulletin Frühjahr 2021 der Schweizerischen Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik ASFL SVBL berichtet Massimo Romano, Fachverantwortlicher der Integrationsvorlehre an der EB Zürich, wie Daniel F. aus Eritrea seit Sommer 2020 dort seine Vorlehre absolviert mit dem Ziel, einen Berufsabschluss in der Logistik zu machen.

 

Berufslernende virtuell führen und begleiten

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17. Februar 2021 / Céline Camenzind

Von der heutigen Homeoffice-Pflicht sind die meisten von uns betroffen. Besonders problematisch kann es werden, wenn Berufsbildende die Nähe zu ihren Lernenden verlieren. Um dies zu vermeiden, sind bei diesen vor allem die Soft Skills gefragt. Dabei ist es wichtig, dass sie die möglichen Probleme der Jugendlichen kennen und sie mit dem nötigen Fingerspitzengefühl durch diese schwierige Zeit begleiten. Wie sie dies umsetzen können und welche Tools ihnen dafür zur Verfügung stehen, lernten die Berufsbildenden von SIX in drei massgeschneiderten Workshops mit Gabrielle Leisi und Roy Franke der EB Zürich.


Head Apprentice bei SIX, Claudia Hungerbühler, im Interview

Im Frühjahr 2020 standen nicht nur die Berufslernenden, sondern auch die Berufsbildenden vor einer neuen Herausforderung. Nach der Devise «Learning-by-doing» verging der erste Lockdown und im Sommer kam langsam wieder Leben in die Büros von SIX zurück. Als dann im Herbst der zweite Lockdown angekündigt wurde, wusste Claudia Hungerbühler, Head Apprentice bei SIX, dass ihre Berufsbildenden diesmal Unterstützung brauchen würden, um ihre Lernenden auch im Homeoffice professionell begleiten zu können.

Thematische Schwerpunkte im virtuellen Umgang mit Lernenden

Vor allem zwei Themen erwiesen sich dabei als Knackpunkte. Zum einen der persönliche Kontakt zu den Lernenden: Wie schafft man trotz physischem Abstand Nähe zu den Lernenden? Und zum anderen die Tool-Ebene: Welche Methoden und Applikationen können das Führen in virtueller Form unterstützen?

Mit diesen Schwerpunkten im Hinterkopf begann Frau Hungerbühler, eine passende Schulung für Ihre Berufsbildenden zu suchen. Ihr Ziel war es, ein neues Bewusstsein zu schaffen, was es heisst, Lernende im Homeoffice zu führen, und mit welchen Problemen diese dort konfrontiert werden.

Massgeschneiderte Workshops für Berufsbildende

Seit vielen Jahren arbeitet Claudia Hungerbühler mit Gabrielle Leisi zusammen. Gabrielle ist unter anderem langjährige Kursleiterin und Leiterin des LAB Berufsbildungsprofis an der EB Zürich. Als Expertin im Bereich Berufsbildung und massgeschneiderte Schulungen schlug sie vor, dass die EB Zürich für SIX drei Workshops zum Thema «Lernende virtuell führen» durchführt.

«Das Team der EB Zürich hat mir einen detaillierten Vorschlag zu Themen und Umsetzung gemacht. Sie haben unter anderem auch die technische Infrastruktur berücksichtigt, die bei SIX aus Sicherheitsgründen sehr beschränkt ist. Sie haben alle Aktivitäten und alles, was sie geplant haben, diesem Setting von SIX angepasst», so Hungerbühler. Diese Anpassungsfähigkeit seitens des Kursanbieters war für sie und ihre Berufsbildenden essentiell.

 

Kontakt

Angelica Wetter
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Mehr Informationen sowie Thematische Impulse zu massgeschneiderten Schulungen mit der EB Zürich finden Sie unter «Berufsbildung à la carte».

fide-Sprachnachweis hilft Flüchtlingen bei Lehrstellensuche

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15. Februar 2021 / Jürgen Deininger

Eine Lehrstelle bzw. einen Platz im Schweizer Arbeitsmarkt zu finden, ist für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene mit erheblichen Hürden verbunden. Schulische Programme wie START! Berufsbildung oder Sprachzertifikate wie fide unterstützen sie, sich beruflich zu integrieren und sich Jahre nach ihrer Flucht in die Schweiz als Teil der Gesellschaft zu fühlen. Die EB Zürich führt fide-Spracheinschätzungen auch für andere Schulen und neu auch für andere Kantone durch.

fide-Spracheinschätzung PrüferinKursleiterin Letizia Craparo lockert die Stimmung vor der Spracheinschätzung
© Céline Camenzind

Die fide-Spracheinschätzung als Türöffner

Vor fünf Jahren und drei Monaten ist Maryam Hakimi aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet. Schon im Aufnahmelager in Schwerzenbach fing sie an, Deutsch zu lernen. Sie wusste, wie wichtig gute Sprachkenntnisse in diesem für sie fremden Land sein würden. Doch Deutsch ist für sie viel schwieriger als Englisch, erzählt sie im Gespräch. Seit August 2020 besucht sie den Kurs «START! Berufsbildung», der sie und andere Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene in das Schweizer Ausbildungssystem eingliedern soll. Und heute ist einer ihrer wichtigsten Tage an der EB Zürich: Sie lässt mit dem fide-Sprachnachweis ihre Deutschkenntnisse einschätzen. Dieser Nachweis ist zwar nicht Bestandteil des Kurses, doch ihre Kursleiterin wies sie auf diese Möglichkeit hin. Frau Hakimi weiss, dass ihr ein offizieller Nachweis ihrer Deutschkenntnisse bei der Lehrstellensuche hilft und ein grosser Vorteil ist. Frau Hakimi ist nervös, denn sie hat schon lange keine Prüfungen mehr absolviert, und sie weiss, dass ihre berufliche Zukunft von dem Ergebnis abhängen kann.

Alles andere, nur keine ‘klassische’ Prüfung

Die Räumlichkeiten für die fide-Einschätzung sind so eingerichtet, dass sie nicht an eine typische Prüfungssituation erinnern. Das weiss die langjähren DAZ-Lehrerin natürlich – sie musste sich als fide-Prüferin dafür qualifizieren – und arrangiert daher die ‘Prüfung’ als eine Art Gespräch: Blumen und Getränke stehen auf dem Tisch, darauf verstreut liegen verschiedene Blätter mit Bildern, die sie für den mündlichen und schriftlichen Teil der Spracheinschätzung verwenden wird. Letizia Craparo Devenn weiss auch, dass die ersten Sätze der zur Spracheinschätzung kommenden Personen entscheidend sind. Schnell erkennt sie, wer eher intro- und wer eher extrovertiert ist. Einige ihrer Vorsätze lauten; sich zurücknehmen, warten, die Personen reden lassen und nicht zu früh eingreifen. Wegen ihrer italienischen Wurzeln und ihrem Temperament ist das nicht immer einfach für sie. Ihrer Meinung nach sind die Fragen bei der Einschätzung für Lernungewohnte teils «recht happig». Zeitlich stehen sie v.a. beim schriftlichen Teil unter Druck. Das bestätigt auch Frau Hakimi, für sie war besonders der schriftliche Teil schwierig. Sie musste verschiedene Texte schreiben, so z.B. ein E-Mail an das Einwohneramt und eine Antwort auf eine Wohnungskündigung. Die Themen orientieren sich dabei an Alltagssituationen der Flüchtlinge und sind äusserst handlungsorientiert. Das erleichtert es Frau Hakimi, die schriftlichen und mündlichen Fragen mit einem guten Gefühl zu beantworten.

fide-Spracheinschätzung VerstehenKursteilnehmerin Maryam Hakimi erhält eine müngliche Aufgabe
© Céline Camenzind

Mit fide die Integration fördern

«fide» – es steht für Französisch, Italienisch, Deutsch – fördert schweizweit die sprachliche Integration von Migrantinnen und Migranten und bietet diesen die Möglichkeit, ihre Sprachkompetenzen nachzuweisen. Die didaktischen Inhalte des Programms orientieren sich an alltäglichen Situationen und Bedürfnissen rund um Familie, Wohnen, Einkaufen oder Arztbesuch. Zu diesen Themen stellen fide-Lehrpersonen und Prüfungsexperten umfangreiche Materialien zur Verfügung, anhand derer sie bei Migrantinnen und Migranten Sprachkenntnisse der Niveaus A1 bis B1 einschätzen können. Anschliessend erhalten sie einen Sprachenpass, der ihnen den Lernstand ihrer schriftlichen und mündlichen Deutschkenntnisse bescheinigt. Wichtig dabei ist, dass Kandidaten/innen beim Nachweis nicht durchfallen können, sondern sie erhalten das für sie entsprechende Niveau bescheinigt. Die Einschätzung beginnt mit A2 und je nach Verlauf wird auf B1 oder A1 gewechselt. Neu gibt es auch den Test fide-edu, der sich an junge Erwachsene in der Berufslehre wendet. Die Themen «Handlungsszenarien» sind auf diese Zielgruppe ausgerichtet und orientieren sich an deren Alltagssituationen.

EB Zürich im Auftrag anderer Schulen und Kantone

Um fide-Prüfungen durchführen zu können, musste sich die EB Zürich zuerst zertifizieren und die zukünftigen Prüfer/innen mussten sich ihre neuen Kompetenzen nachweisen lassen. «Der Aufbau des Prüfungszentrums in Zeiten von Corona war, wie alles in diesen Zeiten, eine besondere Herausforderung», erzählt Nora Kindler, die fide-Verantwortliche der EB Zürich. Dabei ist für sie der progressive Aufbau des Tests – demnächst bis B2 – sowie der Bezug zu Alltagssituationen «ein wegweisender Ansatz, vor allem in der von Diglossie geprägten Deutschschweiz», d.h. dem Nebeneinander von Dialekt und Schriftdeutsch.

Der fide-Sprachnachweis ist fixer Bestandteil der «Integrationsvorlehre». Für Absolventinnen und Absolventen der Invol ist der Nachweis der Sprachkompetenzen unabdingbar für die Arbeits- und Niederlassungsbewilligung. Neu werden 2021 auch Teilnehmende aus den Kantonen Zug die Dienstleistung der EB Zürich in Anspruch nehmen. Der Aufbau eigener kantonalen Fachstellen ist kostenintensiv und erfordert nicht nur didaktische Kompetenzen. Da ist es schneller und effizienter, überkantonale Kooperationen einzugehen.

fide-Spracheinschätzung TeilnehmerinMaryam Hakimi bei der fide-Spracheinschätzung
© Céline Camenzind

Mit B1 auf dem Weg zur Kinderbetreuerin

Nach eineinhalb Stunden ist die Prüfung für Frau Hakimi zu Ende – sie erreicht im mündlichen und schriftlichen Teil jeweils das Niveau B1. Ein tolles Ergebnis, und sie freut sich darüber. Damit kommt sie ihrem Berufswunsch ein ganzes Stück näher. «Ich liebe Kinder und kann gut mit ihnen umgehen», erzählt sie. Daher ist ihr grosser Wunsch, Kinderbetreuerin zu werden. Für diesen Beruf sind gute Deutschkenntnisse wichtig und in einer Bewerbung sieht das Niveau B1 sehr gut aus.

Zuerst aber wird sie ab April ein weiteres Quartal «START! Berufsbildung» besuchen und ihre Deutsch-, Mathematik- und PC-Kenntnisse verbessern. Daneben wird sie weiterhin Stellen in der Kinderbetreuung suchen und sich bewerben. Unterstützen wird sie dabei ein Coach der Asyl Organisation Zürich (AOZ) sowie die Laufbahnberatung. Kursteilnehmer/innen von «START! Berufsbildung» können diese während ihrer Zeit an der EB Zürich kostenlos in Anspruch nehmen und sich bei Bewerbungen helfen lassen. Einmal die Woche ist Stefan Schuhmacher vom Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB) an der EB Zürich und berät Frau Hakimi und ihre Kolleginnen und Kollegen. Welche Fragen sie ihm stellen und welche besonderen Herausforderungen er dabei erlebt, werden wir bald von ihm erfahren.

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Online-Informationsanlässe für Berufs- und Erwachsenenbildner/innen

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10. Februar 2021 / Céline Camenzind

Online Informationsanlässe für Berufsbildner und Berufsbildnerinnen

Sind Sie interessiert an einer Weiterbildung im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung? Haben Sie Fragen zu den verschiedenen Modulen und benötigen spezifischere Auskünfte?

Die Informationsanlässe für Berufsbildner und Erwachsenenbildnerinnen können Sie bequem und ortunabhängig in Form eines Zoom-Webinars besuchen:

Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie einen Link für die Online-Teilnahme am gewünschten Webinar. Wir freuen uns auf Ihre virtuelle Teilnahme.

Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung.
Barbara Bloch, Nur mit JavaScript, Telefon: 044 385 83 88

Massgeschneiderte Weiterbildungen für Lehrpersonen

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29. Januar 2021 / Céline Camenzind

Mit dem Fernunterricht boomen auch die digitalen Möglichkeiten in der Didaktik. Bildungsinstitutionen und Firmen fanden sich gezwungen, ohne zu zögern auf Fernunterricht umzusteigen. Nun suchen sie nach Möglichkeiten, ihre Lehrpersonen, Berufsbildner/innen und Erwachsenenbilder/innen gezielt zu schulen. So erging es auch dem Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen Kanton Zürich (ZAG) in Winterthur.


Projektleiterin digitaler Wandel am ZAG, Debora Giuliani, im Interview

Debora Giuliani ist Sportlehrperson am ZAG und leitet dort unter anderem alle Projekte rund um den digitalen Wandel. Im Sommer 2020 wurde M365 an der ganzen Schule eingeführt. Dabei haben sich neue Bedürfnisse der Lehrpersonen bemerkbar gemacht. Massgeschneiderte Schulungen im Bereich Fernunterricht mussten her - und zwar so bald wie möglich. Giuliani entschied sich für die EB Zürich als Partnerin für die Weiterbildungen.

Umgang mit individuellen Bedürfnissen

Ein ausgeschriebener Kurs kam für Giuliani nicht in Frage. «Ich habe Schulungen gesucht, die man anpassen kann. Wo ich Einfluss nehmen kann, was ich genau will in diesem Kurs. Das war für mich massgebend für die Organisation», so Giuliani. Kurse zum Thema Microsoft Teams gibt es zwar, doch die ganze Teams-Struktur für die verschiedenen Klassenräume waren am ZAG noch nicht vorhanden. Das hat ihr die Suche nach einem passenden Kurs erschwert. Denn die Lehrpersonen hatten noch keinen eigenen Klassenraum. Sie hatten lediglich das Programm und mussten damit ihren Fernunterricht organisieren.

«Ich wusste ganz klar, was ich will, und die Kursorganisation der EB Zürich ist genau auf meine Wünsche eingegangen und hat das extrem schnell umgesetzt», sagt Giuliani im Interview. «Die Schulungen sind innerhalb von einem Monat zustande gekommen». Sehr geschätzt habe sie die Flexibilität, die Möglichkeit zur Individualisierung und den unkomplizierten Umgang mit der Organisation der Schulungen. «Das war für mich extrem gut und wertvoll», so die Projektleiterin.

Weitere massgeschneiderte Schulungen sind geplant

Die vergangenen Schulungen am ZAG waren nur der Anfang dieses Projekts. Giuliani wird weiterhin mit der EB Zürich zusammenarbeiten. «Wenn alle Lehrpersonen Klassenräume haben, können wir so richtig loslegen. Ich freue mich auf jeden Fall», so Giuliani. «Es ist sehr schön, wenn mann Einfluss auf Schulungen nehmen kann und die Kursleitenden das auch gleich umsetzen können, was man sich wünscht.»

 

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Berufsabschluss erfolgreich nachholen

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25. Januar 2021 / Jürgen Deininger

Auch wenn der Einstieg ins Berufsleben in der Schweiz mit einer Berufslehre recht einfach ist, besitzt jede/r siebte Erwerbstätige keinen Abschluss auf Sek II-Stufe. Erwachsene können neben der klassischen Berufslehre mit Lehrvertrag auch ohne Lehrvertrag einen Berufsabschluss nachholen, sofern sie mindestens fünf Jahre Berufserfahrung mitbringen. Von grosser Bedeutung sind dabei kantonale Beratungsstellen für Erwachsene und Berufsfachschulen, die Vorbereitungsmöglichkeiten für Berufskenntnisse und Allgemeinbildung anbieten.

Berufseinstieg dank Integrationsvorlehre

Mit dem Berufsbildungssystem bietet die Schweiz allen Jugendlichen einen idealen Einstieg ins Arbeitsleben. 70% der Jugendlichen im Kanton Zürich wählen den Weg einer Lehre, andere wählen die Matura, wieder andere beginnen einfach so mal an zu arbeiten. Trotz dieses einfachen Einstiegs überraschen die Zahlen: Schweizweit weist gemäss einer Studie des SVEB jede/r siebte Berufstätige keinen Abschluss auf Sek II-Stufe auf und hat weder einen Berufsabschluss noch die Matura in der Tasche. Im Jahr 2016 waren dies über 600'000 Personen.

Meist sind diese Personen über Jahre hinweg erwerbstätig, oft jedoch sehr schlecht bezahlt. Sie gehören mit zu den ersten, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Arbeit verlieren, und sind so dem Risiko ausgesetzt, nach längerer Arbeitslosigkeit von der Sozialhilfe abhängig zu werden. Um dem vorzubeugen, sieht das Berufsbildungsgesetz (Berufsbildungsverordnung, Art. 31ff) verschiedene Wege vor, mittels derer Erwachsene einen Abschluss nachholen und sich so besser wieder in den Arbeitsmarkt integrieren können.

Beratung durch Fachstellen zentral

Eine bedeutende Rolle und erste Anlaufstation für Ratsuchende im Kanton Zürich ist die Fachstelle Berufsabschluss für Erwachsene. Interessierte werden meist über ‘Mund-zu-Mund-Propaganda’ auf diese Anlaufstelle aufmerksam, wie Bettina Wöhler von der Fachstelle am biz Oerlikon aus Erfahrung weiss. Aber auch Berufsfachschulen, das RAV oder andere Stellen, die Erwachsene ohne Berufsabschluss beraten, verweisen sie an diese Anlaufstelle.

Wer sind diese Erwachsenen, die sich an die Fachstelle wenden? Einen typischen Werdegang der Erwachsenen, die den Berufsabschluss machen wollen, gebe es nicht, so Frau Wöhler. «Es hat Personen, die nach der Familienphase (…) das Berufsfeld wechseln. Oft haben sie schon einen Berufsabschluss. Dann hat es Personen, die vielleicht eine Lehre angefangen und aus irgendeinem Grund nicht beendet haben». Ein Teil der Personen hätte nach der obligatorischen Schule zuerst einmal Geld verdienen wollen. Ein anderer möchte jetzt seine Berufserfahrung mit einem EFZ (Eidg. Fähigkeitszeugnis) oder EBA (Eidg. Berufsattest) unterstreichen. Wieder andere benötigen ein EFZ als Einstieg für eine Weiterbildung. Zuletzt gebe es auch Personen, die aus dem Ausland in die Schweiz gekommen seien und deren Abschluss aus dem Heimatland hier in der Schweiz nicht oder nur unter grossen Auflagen anerkannt sei.

Wege zum nachgeholten Berufsabschluss

Erwachsenen, die sich wegen eines Berufsabschlusses auf Stufe beruflicher Grundbildung an die Fachstelle wenden, erfahren, dass ihnen vier Möglichkeiten offenstehen: Neben der beruflichen Grundbildung regulär bzw. verkürzt mit Lehrvertrag, gibt es den Weg über die direkte Zulassung zum Qualifikationsverfahren und die Anerkennung von Bildungsleistungen, das Validierungsverfahren. Voraussetzung für diese beiden Wege sind mind. fünf Jahre Berufserfahrung insgesamt, wovon i.d.R. drei Jahre spezifische Berufserfahrung im angestrebten Beruf sein müssen. An den Informationsveranstaltungen zeigt die Fachstelle den Interessierten, wie sie ein EFZ oder ein EBA erlangen können und wie der Weg bis zum Abschluss für die einzelnen Personen aussieht. «Wer weiss, dass es in seinem angestrebten Beruf ein Validierungsverfahren gibt und dieses machen möchte, kommt in einen berufsspezifischen obligatorischen Informationsanlass und erhält dort alle Informationen. Die obligatorischen Informationsanlässe zu den Validierungsverfahren werden in den beiden Verfahrenskantonen Bern und Zürich angeboten und sind für Interessierte aus der ganzen Deutschschweiz. Wir informieren grundsätzlich auch über die anderen Wege, z.B. mit Lehrvertrag – regulär bzw. verkürzt – welche für Erwachsene auch eine Option sein können», erläutert Bettina Wöhler.

Zielstrebigkeit und Durchhaltvermögen hilfreich

Personen, die einen Berufsabschluss nachholen wollen, steht ein Weg bevor, der Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und Eigenverantwortung erfordert. Das Schweizer Fernsehen porträtierte vor ein paar Jahren eine junge Frau aus Basel. Sie hatte ihre Lehre abgebrochen, jobbte anschliessend in verschiedenen Bereichen, machte ein Praktikum und wurde dann arbeitslos. Acht Jahre war sie von Sozialhilfe abhängig, von der sie unbedingt wieder wegkommen wollte. Der Kanton Basel half ihr, eine Lehrstelle zu finden. Dabei haben die guten Kontakte der kantonalen Berufsberatung zum Gewerbeverband die Suche erleichtert.

Ablauf des Validierungsverfahrens

Das Validierungsverfahren beginnt immer mit einem obligatorischen Informationsanlass, der momentan Corona-bedingt online erfolgt. Die Teilnehmenden erstellen dann das Dossier, worin sie belegen, dass sie die im angestrebten Beruf erforderlichen Handlungskompetenzen haben. Ist das Dossier vollständig und sind die Voraussetzungen der Berufserfahrung erfüllt, kann das Dossier eingereicht werden. Prüfungsexperten prüfen dieses und laden die Teilnehmenden anschliessend zu einem Beurteilungsgespräch ein. Danach geht das Dossier inkl. Beurteilung an die Prüfungskommission, die dieses verifiziert. Die Teilnehmenden erhalten dann einen Lernleistungsausweis, der aufführt, welche Kompetenzen erfüllt sind und welche noch nicht. Lücken in den beruflichen Kompetenzen und der Allgemeinbildung können nun in der ergänzenden Bildung geschlossen werden. Sind alle Kompetenzen erfüllt, wird das EFZ bzw. EBA ausgestellt.

Berufseinstieg dank Integrationsvorlehre
Quelle: www.berufsbildung.ch

Allgemeinbildung nachholen

Eine wichtige Kompetenz, die Erwachsene nachweisen bzw. erwerben müssen, sind Kenntnisse der Allgemeinbildung. Wer diese bereits in einer früheren Grundbildung (EFZ, EBA oder Matura) erworben hat, wird davon dispensiert, worauf Bettina Wöhler Interessierte explizit hinweist. Auch würden Berufsabschlüsse oder Matura aus dem EU-Raum anerkannt. Vorausgesetzt, die Deutschkenntnisse des interessierten Erwachsenen betragen mindestens B1-Niveau (gemäss GER). Bei allen anderen Fällen muss die Allgemeinbildung obligatorisch nachgeholt werden, wofür es im Kanton verschiedene Kursmöglichkeiten gibt. Die EB Zürich bietet bereits seit mehr als 15 Jahren ABU-Kurse an. Pro Jahr machen ca. 100 Erwachsene davon Gebrauch und holen diese Qualifikation für ihren Berufsabschluss nach.

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Digitale Innovationen in der Berufsbildung

Tags: Angebot

21. Januar 2021 / Céline Camenzind

Ganze 48 Projektskizzen wurden dieses Jahr beim Innovationsfonds Berufsbildung Kanton Zürich eingereicht. Daraus resultierten 41 Projekteingaben, wovon 35 die vorgegebenen Innovationskriterien erfüllten.

Digitale Innovationen in der Berufsbildung

Folgende neun dieser Projekte wurden im November von der Jury bestehend aus Experten der UNIZH, des Bildungszentrums Limmattal, der LKB, der ZHAW, der FHNW und dem DLH zur Förderung ausgewählt und erhalten nun vom Innovationsfonds Berufsbildung Entlastungslektionen.

1. Einführung einer digitalen QV-Abschlussprüfung im Fach Allgemeinbildung

Seit vielen Jahren wird die Lernplattform Moodle an Berufsfachschulen begleitend zum Unterricht eingesetzt. Die Lernenden arbeiten an ihren eigenen Laptops und auch verschiedene Semesterprüfungen wurden bereits erfolgreich digital durchgeführt. Die Abschlussprüfung in der Allgemeinbildung für Informatiker, Automatiker und Elektroniker wird am Bildungszentrum Uster (BZU) ab 2022 ebenfalls digitalisiert.

2. AZBQR Moderne Prüfungen

Digitale Lerninhalte werden schulübergreifend erarbeitet und ab 2022 in allen drei Berufsfachschulen für Elektroberufe des Kantons Zürich eingesetzt. Somit wird das Expertenwissen in einem Gefäss gebündelt und für die Zukunft gesichert.

3. Agile Schule

Die Corona-Krise hat uns die digitalen Hilfsmittel und Möglichkeiten in der Didaktik einen grossen Schritt näher gebracht. Nun muss die digitale Kultur an der Schule für Gestaltung Zürich nachhaltig gestärkt und starre Strukturen losgelöst werden. Alle Beteiligten wie Lernende, Lehrende, Verwaltungen, institutionelle Gremien und die Schulleitung werden aktiv in den Entwicklungsprozess mit einbezogen. Von den Erfahrungen und Erkenntnissen dieses Projekts werden auch andere Schulen profitieren.

4. E-Portfolio - eingebettet in M365Education

Das E-Portfolio ist eine Sammlung aller Lernprodukte, die während der Ausbildung entstehen. Am ZAG (Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen) in Winterthur wird OneNote als möglicher digitaler Sammelort getestet. Das cloudbasierte, ganzheitliche und multimediale E-Portfolio dient den Lernenden nicht nur zur Entwicklung und zum Belegen der eigenen Lern- und Entwicklungsprozessen sondern auch als Nachschlagewerk zum Lösen von Problemen in der Praxis. Ziel ist es, dass Lernende das E-Portfolio über die Lehre hinaus verwenden. Auch Lehrpersonen können vom E-Portfolio gebrauch machen, indem sie ihre eigenen Entwicklungs- und Lernprozesse dokumentieren. Aus dem Test an der ZAG entsteht ein E-Portfolio Leitfaden, welcher auch in anderen Klassen, in anderen Studiengängen und an anderen Schulen eingesetzt werden kann.

5. Qualitatives Lernen

An der Berufsmaturitätsschule Winterthur werden möglichst viele Lernplaninhalte in einen fächerübergreifenden Projektunterricht integriert und in einem digitalen Projektportfolio dokumentiert, welches danach unter anderem auch als Ausweis zum Bewerben zur Verfügung steht. Berufsschüler/innen können sich zukünftig mehr auf ihre Stärken konzentrieren und individuell ihr Potenzial ausschöpfen. Dabei werden Problemlösungskompetenzen und das vernetzte Denken gezielt gefördert. Bestehende, traditionelle Strukturen werden verändert und der Lernerfolg nachhaltiger gestaltet. Praxisorientiertes Denken und neue, qualitative Evaluationsformen stehen im Vordergrund.

6. Digitale Transformation von der klassischen BM-Abschlussprüfung

Die BM-Abschlussprüfungen werden kantonal organisiert und beruhen nicht auf dem neusten Stand der Entwicklung. Im Unterricht der Berufsmaturitätsschule Winterthur wird bereits mit BYOD (Bring Your Own Device) gearbeitet und die Materialien werden digital zur Verfügung gestellt. Auch die Prüfungen sollen auf derselben Basis stattfinden. Handschriftliches Verfassen von Texten wird weder im Unterricht geübt, noch kommt es im Arbeitsalltag zur Verwendung. Damit die Prüfungen digital über den eigenen Rechner stattfinden können, wird eine sichere Prüfungsumgebung vorausgesetzt. Verschiedene Prüfungsmethoden in den Fächern Deutsch sowie Mathematik werden an der Berufsmaturitätsschule Winterthur getestet und beurteilt. Auch alle anderen Berufsmaturitätsschulen profitieren von der Entwicklung und werden die Prüfungsmethoden übernehmen können.

7. Bob, the Carbot (der EBA-Roboter)

Lernende aus der Automobilbranche entwickeln Chatbots, die in der Arbeitswelt als Hilfestellung dienen. Die Chatbots werden direkt in den Arbeitsalltag integriert und können zukünftig von anderen Lernenden eingesetzt werden. Das Erstellen von eigenen Lernsequenzen fördert das vernetzte, lösungsorientierte Denken. Dabei erleben die Lernenden die digitale Transformation im eigenen Umfeld und arbeiten kooperativ.

8. Lernprodukte erstellen statt Prüfungen schreiben

Anstatt Prüfungen zu schreiben, erstellen Lernende Mediamatiker am Bildungszentrum Zürichsee selbständig Lernprodukte. Diese ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Lerninhalten, was die Motivation steigert. Dadurch bleibt Gelerntes nachhaltig im Gedächtnis und wird nicht nach Absolvierung der Prüfungen sofort wieder vergessen. Die Lernenden werden ermutigt, sich auszutauschen und erhalten Inputs von ihren Lehrpersonen. Jedes Lernprodukt ist eine individuelle Arbeit. Durch die Verbindung verschiedener Fächer wird das vernetzte Lernen und Denken gefördert. Das Prinzip der Lernprodukte ist für verschiedene Fächer, Stufen und Berufe geeignet und kann beliebig adaptiert werden.

9. Lernchallenges

LernChallenges werden als motivierende und handlungsorientierte Methode in den Unterricht der Schule für Gestaltung Zürich integriert. Sie sind so gestaltet, dass sie Lernende auf einer emotionalen Ebene ansprechen und herausfordern. Ziel ist es, Lernkooperationen und die Teamfähigkeit der Lernenden zu stärken. Auch im traditionellen Unterricht eher vernachlässigte Kompetenzen, wie z.B. Empathie, werden durch solche Challenges gefördert. Das Peer-Learning in Form von Inspirationen, Feedbacks und Bewertungen ist dabei eine wichtige Ressource. Das Verantwortungsbewusstsein und die Selbstständigkeit der Lernenden werden dabei gezielt gefördert und haben die Steigerung der intrinsischen Motivation zur Folge. Ausserdem entsteht eine Sammlung von LernChallenges auf einer Webseite mit Chatfunktion, wo sich Lehrende austauschen können.

Nächste Gelegenheit zur Projekteingabe

Die nächste Runde von Entlastungen für innovative Projekte aus der Berufsbildung ist für das Herbstsemester 2021 vorgesehen. Auf der Website des Innovationsfonds Berufsbildung sind ab Mitte Januar die Informationen für die Einreichung von Projektskizzen aufgeschaltet.