Digitale Innovationen in der Berufsbildung

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21. Januar 2021 / Céline Camenzind

Ganze 48 Projektskizzen wurden dieses Jahr beim Innovationsfonds Berufsbildung Kanton Zürich eingereicht. Daraus resultierten 41 Projekteingaben, wovon 35 die vorgegebenen Innovationskriterien erfüllten.

Digitale Innovationen in der Berufsbildung

Folgende neun dieser Projekte wurden im November von der Jury bestehend aus Experten der UNIZH, des Bildungszentrums Limmattal, der LKB, der ZHAW, der FHNW und dem DLH zur Förderung ausgewählt und erhalten nun vom Innovationsfonds Berufsbildung Entlastungslektionen.

1. Einführung einer digitalen QV-Abschlussprüfung im Fach Allgemeinbildung

Seit vielen Jahren wird die Lernplattform Moodle an Berufsfachschulen begleitend zum Unterricht eingesetzt. Die Lernenden arbeiten an ihren eigenen Laptops und auch verschiedene Semesterprüfungen wurden bereits erfolgreich digital durchgeführt. Die Abschlussprüfung in der Allgemeinbildung für Informatiker, Automatiker und Elektroniker wird am Bildungszentrum Uster (BZU) ab 2022 ebenfalls digitalisiert.

2. AZBQR Moderne Prüfungen

Digitale Lerninhalte werden schulübergreifend erarbeitet und ab 2022 in allen drei Berufsfachschulen für Elektroberufe des Kantons Zürich eingesetzt. Somit wird das Expertenwissen in einem Gefäss gebündelt und für die Zukunft gesichert.

3. Agile Schule

Die Corona-Krise hat uns die digitalen Hilfsmittel und Möglichkeiten in der Didaktik einen grossen Schritt näher gebracht. Nun muss die digitale Kultur an der Schule für Gestaltung Zürich nachhaltig gestärkt und starre Strukturen losgelöst werden. Alle Beteiligten wie Lernende, Lehrende, Verwaltungen, institutionelle Gremien und die Schulleitung werden aktiv in den Entwicklungsprozess mit einbezogen. Von den Erfahrungen und Erkenntnissen dieses Projekts werden auch andere Schulen profitieren.

4. E-Portfolio - eingebettet in M365Education

Das E-Portfolio ist eine Sammlung aller Lernprodukte, die während der Ausbildung entstehen. Am ZAG (Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen) in Winterthur wird OneNote als möglicher digitaler Sammelort getestet. Das cloudbasierte, ganzheitliche und multimediale E-Portfolio dient den Lernenden nicht nur zur Entwicklung und zum Belegen der eigenen Lern- und Entwicklungsprozessen sondern auch als Nachschlagewerk zum Lösen von Problemen in der Praxis. Ziel ist es, dass Lernende das E-Portfolio über die Lehre hinaus verwenden. Auch Lehrpersonen können vom E-Portfolio gebrauch machen, indem sie ihre eigenen Entwicklungs- und Lernprozesse dokumentieren. Aus dem Test an der ZAG entsteht ein E-Portfolio Leitfaden, welcher auch in anderen Klassen, in anderen Studiengängen und an anderen Schulen eingesetzt werden kann.

5. Qualitatives Lernen

An der Berufsmaturitätsschule Winterthur werden möglichst viele Lernplaninhalte in einen fächerübergreifenden Projektunterricht integriert und in einem digitalen Projektportfolio dokumentiert, welches danach unter anderem auch als Ausweis zum Bewerben zur Verfügung steht. Berufsschüler/innen können sich zukünftig mehr auf ihre Stärken konzentrieren und individuell ihr Potenzial ausschöpfen. Dabei werden Problemlösungskompetenzen und das vernetzte Denken gezielt gefördert. Bestehende, traditionelle Strukturen werden verändert und der Lernerfolg nachhaltiger gestaltet. Praxisorientiertes Denken und neue, qualitative Evaluationsformen stehen im Vordergrund.

6. Digitale Transformation von der klassischen BM-Abschlussprüfung

Die BM-Abschlussprüfungen werden kantonal organisiert und beruhen nicht auf dem neusten Stand der Entwicklung. Im Unterricht der Berufsmaturitätsschule Winterthur wird bereits mit BYOD (Bring Your Own Device) gearbeitet und die Materialien werden digital zur Verfügung gestellt. Auch die Prüfungen sollen auf derselben Basis stattfinden. Handschriftliches Verfassen von Texten wird weder im Unterricht geübt, noch kommt es im Arbeitsalltag zur Verwendung. Damit die Prüfungen digital über den eigenen Rechner stattfinden können, wird eine sichere Prüfungsumgebung vorausgesetzt. Verschiedene Prüfungsmethoden in den Fächern Deutsch sowie Mathematik werden an der Berufsmaturitätsschule Winterthur getestet und beurteilt. Auch alle anderen Berufsmaturitätsschulen profitieren von der Entwicklung und werden die Prüfungsmethoden übernehmen können.

7. Bob, the Carbot (der EBA-Roboter)

Lernende aus der Automobilbranche entwickeln Chatbots, die in der Arbeitswelt als Hilfestellung dienen. Die Chatbots werden direkt in den Arbeitsalltag integriert und können zukünftig von anderen Lernenden eingesetzt werden. Das Erstellen von eigenen Lernsequenzen fördert das vernetzte, lösungsorientierte Denken. Dabei erleben die Lernenden die digitale Transformation im eigenen Umfeld und arbeiten kooperativ.

8. Lernprodukte erstellen statt Prüfungen schreiben

Anstatt Prüfungen zu schreiben, erstellen Lernende Mediamatiker am Bildungszentrum Zürichsee selbständig Lernprodukte. Diese ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Lerninhalten, was die Motivation steigert. Dadurch bleibt Gelerntes nachhaltig im Gedächtnis und wird nicht nach Absolvierung der Prüfungen sofort wieder vergessen. Die Lernenden werden ermutigt, sich auszutauschen und erhalten Inputs von ihren Lehrpersonen. Jedes Lernprodukt ist eine individuelle Arbeit. Durch die Verbindung verschiedener Fächer wird das vernetzte Lernen und Denken gefördert. Das Prinzip der Lernprodukte ist für verschiedene Fächer, Stufen und Berufe geeignet und kann beliebig adaptiert werden.

9. Lernchallenges

LernChallenges werden als motivierende und handlungsorientierte Methode in den Unterricht der Schule für Gestaltung Zürich integriert. Sie sind so gestaltet, dass sie Lernende auf einer emotionalen Ebene ansprechen und herausfordern. Ziel ist es, Lernkooperationen und die Teamfähigkeit der Lernenden zu stärken. Auch im traditionellen Unterricht eher vernachlässigte Kompetenzen, wie z.B. Empathie, werden durch solche Challenges gefördert. Das Peer-Learning in Form von Inspirationen, Feedbacks und Bewertungen ist dabei eine wichtige Ressource. Das Verantwortungsbewusstsein und die Selbstständigkeit der Lernenden werden dabei gezielt gefördert und haben die Steigerung der intrinsischen Motivation zur Folge. Ausserdem entsteht eine Sammlung von LernChallenges auf einer Webseite mit Chatfunktion, wo sich Lehrende austauschen können.

Nächste Gelegenheit zur Projekteingabe

Die nächste Runde von Entlastungen für innovative Projekte aus der Berufsbildung ist für das Herbstsemester 2021 vorgesehen. Auf der Website des Innovationsfonds Berufsbildung sind ab Mitte Januar die Informationen für die Einreichung von Projektskizzen aufgeschaltet.